Nextcloud selbst hosten: UGREEN NAS und AIO

Nextcloud Logo

Wer seine Daten nicht bei Google, Apple oder Microsoft lassen will, steht vor einer Frage: Wie viel Aufwand ist eine eigene Cloud wirklich? Die ehrliche Antwort mit einem UGREEN NASync DXP2800 und Nextcloud AIO: weniger als erwartet.


Das Setup

Hardware: UGREEN NASync DXP2800

  • Intel-Prozessor (N100 oder J4125, je nach Konfiguration)
  • 2 M.2 NVMe-Slots – System und Apps laufen hier im RAID 1 (schnell, zuverlässig)
  • 2 Einschübe für 3.5”-HDDs – Datenspeicher im RAID 1 (4 TB nutzbar)
  • Kompaktes Gehäuse, passiv oder semi-passiv gekühlt
  • Verbrauch im Betrieb: ~10–15 Watt

Software: Nextcloud AIO (All-in-One)

  • Offizielles Nextcloud-Deployment als Docker-Container
  • Bringt alles mit: Nextcloud, PostgreSQL, Redis, Reverse Proxy
  • Administration über ein einziges Web-Panel
  • Automatische Updates

Warum UGREEN?

UGREEN NASync DXP2800

Der DXP2800 ist kein Synology und kein QNAP – er ist günstiger, offener und läuft auf einem Standard-Linux ohne proprietären Lock-in. Das bedeutet:

  • Docker läuft nativ
  • Kein Abo für erweiterte Funktionen
  • SSH-Zugang ohne Hacks
  • Volle Kontrolle über das System

Der Nachteil: Die UGOS-Oberfläche ist weniger ausgereift als DSM von Synology. Wer aber ohnehin Docker-Container betreiben will, stört das kaum – man arbeitet sowieso größtenteils am Container, nicht am NAS-Betriebssystem.


Nextcloud AIO: Der einfache Weg

Nextcloud hat lange einen schlechten Ruf als schwierig zu installieren. AIO hat das geändert.

Die Installation läuft so:

docker run \
  --sig-proxy=false \
  --name nextcloud-aio-mastercontainer \
  --restart always \
  --publish 80:80 \
  --publish 8080:8080 \
  --publish 8443:8443 \
  --volume nextcloud_aio_mastercontainer:/mnt/docker-aio-config \
  --volume /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro \
  nextcloud/all-in-one:latest

Danach öffnet man http://NAS-IP:8080, gibt einen Domainnamen ein und klickt auf „Start containers”. AIO übernimmt:

  • SSL-Zertifikat via Let’s Encrypt
  • Datenbank-Setup
  • Redis-Konfiguration
  • Nextcloud-Installation

Die gesamte Ersteinrichtung dauert unter 30 Minuten – inklusive erstem Login.


Performance

Der N100-Prozessor im DXP2800 ist kein Kraftpaket, aber für eine private Nextcloud-Instanz völlig ausreichend:

  • Datei-Sync für 2–5 Clients: flüssig
  • Kalender, Kontakte, Notizen: kein spürbarer Lag
  • Foto-Upload vom Smartphone: läuft im Hintergrund, stört nicht
  • Vorschaubilder generieren: dauert beim ersten Mal länger, dann gecacht

Wo es eng wird: Video-Transkodierung in Nextcloud (für den eingebauten Videoplayer) ist auf dem N100 träge. Wer viele Videos direkt im Browser abspielen will, sollte die Erwartungen anpassen – oder Dateien lokal abspielen.


Energieverbrauch

Das ist der unterschätzte Vorteil eines NAS gegenüber einem alten PC als Heimserver.

GerätVerbrauch (Idle)Verbrauch (Last)
UGREEN DXP2800~8 W~15 W
Alter Desktop-PC~60 W~120 W
Raspberry Pi 4~3 W~7 W

Das NAS läuft 24/7. Bei 10 W Durchschnittsverbrauch sind das ~88 kWh pro Jahr – rund 25–30 € Stromkosten. Ein alter PC würde das Fünffache kosten.

Der DXP2800 hat außerdem einen automatischen Schlafmodus für die HDDs und einen geplanten Ein-/Ausschaltzyklus – wer das NAS nachts nicht braucht, kann es automatisch herunterfahren.


Administration im Alltag

Nach der Einrichtung gibt es wenig zu tun:

Updates: AIO aktualisiert Nextcloud und alle Container automatisch – oder auf Knopfdruck im Panel. Kein manuelles docker pull, kein Versions-Chaos.

Backups: AIO hat BorgBackup integriert. Täglich um 04:00 Uhr werden alle Daten gesichert – Datenbank, Dateien, Konfiguration. Verschlüsselt, dedupliziert, zuverlässig.

Monitoring: Die AIO-Weboberfläche zeigt den Status aller Container auf einen Blick. Für tiefere Einblicke reicht SSH ins NAS.

Probleme: In sechs Monaten Betrieb gab es einen Container-Absturz nach einem Update (Redis). Neustart über das Panel, 2 Minuten Downtime. Das war es.


Zu bedenken

  • RAM: Das NAS kommt mit 8 GB – das reicht für Nextcloud AIO gut aus. Wer weitere Container betreiben will (z.B. Vaultwarden, Jellyfin, Pi-hole), sollte über ein Upgrade auf 16 GB nachdenken
  • AIO ist nicht für reinen Lokalbetrieb gedacht: Wer Nextcloud ausschließlich im Heimnetz betreiben will, braucht eine andere Installationsmethode – z.B. die klassische manuelle Installation oder ein alternatives Docker-Setup. AIO setzt eine öffentlich erreichbare Domain (Port 443/80) oder einen VPN-Tunnel voraus
  • Backup: AIO hat BorgBackup integriert – das sichert die Daten auf dem NAS selbst, schützt aber nicht vor Diebstahl, Brand oder totalem Hardwareausfall. Eine zweite Backup-Kopie auf einer externen Festplatte oder einem Remote-Ziel ist Pflicht

Fazit

Nextcloud AIO auf einem UGREEN NAS ist der pragmatische Weg zur eigenen Cloud. Keine proprietäre Plattform, kein Abo, keine Datenkrake – dafür volle Kontrolle, vernünftige Performance und ein Stromverbrauch der keinen schlechten Schlaf macht.

Der Aufwand für die Einrichtung ist überschaubar. Der Aufwand für den Betrieb ist minimal. Was bleibt: die eigenen Daten, auf der eigenen Hardware, im eigenen Keller.


Betrieben auf: UGREEN NASync DXP2800, Nextcloud AIO v12, Pop!_OS als Client.