Ein Blog zwingt jeden Gedanken in dieselbe Form: fertig, datiert, chronologisch. Der Digital Garden ist der Gegenentwurf – eine öffentliche Sammlung halbfertiger, verlinkter Notizen, die über Jahre reift. Woher die Idee kommt, warum sie sich nicht durchgesetzt hat, und was stattdessen öffentlich gehört.
Der Marsch auf Rom blieb im Schlamm stecken; sein Film war sechs Tage später fertig. Der Aufstieg des italienischen Faschismus 1919 bis 1925 ist keine Geschichte überwältigender Kraft, sondern eine Geschichte von Dingen, die andere gebaut hatten: die Gewaltform, die Bewaffnung, die Straflosigkeit, die Mandate, das Verfahren. Und von dem einen, was er selbst mitbrachte — und woran sein Bestand hing. Teil 2 einer Serie über die italienische Rechte.
1945 übernahm eine chinesische Regierung Taiwan — und die Bevölkerung erlebte es als neue Kolonialherrschaft. Zwei Jahre später erschoss die Kuomintang die Elite der Insel und erklärte den Aufstand zur Kommunistenverschwörung. Dabei hatte die Selbstbestimmung Taiwans einmal einen prominenten Fürsprecher: Mao Zedong. Teil 2 einer Serie über Taiwan.
Der italienische Staat versprach seinen Bauern Land für den Krieg und brach das Versprechen. Was davor lag: ein Agrarland mit 48 Prozent Analphabeten, sechs Millionen Auswanderern in zehn Jahren, einer Regierung, die auf Latifundienbesitzer gebaut war, und Bürgerwehren, die schon 1914 auf Streikende schossen. Teil 1 einer Serie über die italienische Rechte.
Die han-chinesische Bevölkerung Taiwans ist nicht die Voraussetzung der Kolonialgeschichte, sondern ihr Ergebnis. Eine niederländische Handelsgesellschaft holte die ersten Bauern aus Fujian — weil die Einheimischen sich weigerten, für den Weltmarkt zu pflanzen. Teil 1 einer Serie über Taiwan.
Am 2. August 1980 starben 85 Menschen im Bahnhof von Bologna. Seit Juli 2025 steht rechtskräftig fest, wer die Bombe legte, wer sie bezahlte und wer die Ermittlungen sabotierte. In diesem Jahr schickt die italienische Regierung keinen Minister mehr zum Gedenken, sondern einen Staatssekretär — der dann aussprach, was die Regierungschefin seit zwei Jahren vermeidet.
World Monitor ist ein Open-Source-Lagebild: 500 Live-Feeds, 56 Kartenlayer, ein 3D-Globus, AGPL-lizenziert, in sieben Monaten auf 77.000 GitHub-Sterne gewachsen. Die c't-4004-Folge feiert es als Palantir für alle – „More Power to the people“. Ich habe es zwei Tage lang selbst gebaut, gemessen und selbst gehostet. Das Ergebnis korrigiert den Frame an drei Stellen: Palantirs Macht liegt nicht in der Software, „läuft komplett lokal“ stimmt gerade nur, weil der Cloud-Weg kaputt ist – und der Satz „More Power to the people“ ist ein Zitat von 1974, das schon einmal gekippt ist.
Teil 2 von 2: die Ökonomie des zweiten Stacks. Wie die chinesische Szene funktioniert — Effizienz als Marktwaffe, die zwei Schleifen, der Preiskrieg —, warum sie die eine Voraussetzung der amerikanischen KI-Bewertungen zerstört, was die Metrik-Frage über das Rennen verrät, wem die Sicherheitspanik nützt, und warum am Ende zwei verschiedene Rennen laufen.
Ein Pekinger Unternehmen verschenkt das größte KI-Modell der Welt, und die Wall Street rutscht in den Bärenmarkt. Teil 1 von 2: warum Chinas KI-Szene kein Verfolger ist, sondern ein strukturell anderes System — die zwei Doktrinen und ihr Juli-Kollaps, die Sanktionen als Geburtshelfer des eigenen Chip-Stacks und der Elektrostaat, der Strom hat, aber Chips sucht.
Für den Agenten würde schon eine aktuelle NVIDIA-Consumer-Karte reichen – nur kostet die derzeit absurdes Geld, wenn sie überhaupt lieferbar ist. Also gemietet: 49 Cent die Stunde für eine A6000 mit 48 GB, darauf der Open-Source-Agent Hermes von Nous Research mit einem lokalen Qwen. Der Späher scannt nachts das Web, schreibt Lage-Reports und schickt sie mir aufs Handy. Er läuft bewusst in Isolation, denn ein Agent, der fremde Webseiten liest, ist ein Ziel für Prompt Injection. Was ich dabei über Agenten-Gerüste gelernt habe – und warum der Modell-Tausch fast nie die Antwort war.