duotone: Ein aufgeklappter silberner 14-Zoll-Laptop auf einem Holzschreibtisch, daneben ein aufgeschlagenes Notizbuch mit Füller, eine Lesebrille und eine dampfende Espressotasse, im Hintergrund alte Hardcover-Bücher und eine kleine Zimmerpflanze


Mein alter Laptop und ich, wir hatten eine gute Zeit. Ein Lenovo mit einem AMD Ryzen 7 PRO 3700U, Baujahr 2019, vier Kerne, 15 Watt. Sieben Jahre lang hat er alles mitgemacht: Obsidian, Browser, ein bisschen Code, die tägliche Wissensarbeit. Aber in den letzten Monaten wurde die Sache mühsam. Obsidian brauchte gefühlt einen Moment zu lang, der Lüfter drehte auf, sobald mehr als drei Tabs offen waren, und irgendwann habe ich mich dabei ertappt, wie ich beim Tippen auf den Cursor gewartet habe.

Also habe ich zum ersten Mal seit langem gemessen, statt zu raten. Das Ergebnis war eindeutig: Nicht die SSD war der Flaschenhals (die langweilte sich bei null Prozent Wartezeit), sondern die CPU und der RAM. Ein sieben Jahre alter, sparsamer 15-Watt-Mobilprozessor mit schwacher Single-Core-Leistung, dazu magere 13 GiB Arbeitsspeicher, von denen Obsidian allein anderthalb frisst. Der Rechner war nicht kaputt. Er war nur alt geworden.

Was folgte, war eine überraschend lange Recherche. Nicht weil die Auswahl so groß gewesen wäre, sondern weil ich ein paar Bedingungen hatte, die sich nicht verhandeln ließen.

Die Bedingungen

Die erste ist die einfachste und für viele die seltsamste: kein Windows. Nicht aus Trotz, sondern weil ich seit Jahren auf Linux arbeite und nicht vorhabe, das zu ändern. Ein Betriebssystem, das mir gehört, das keine Werbung in mein Startmenü schiebt, keine Telemetrie nach Hause funkt und mir keine KI-Assistenten aufdrängt, die ich nicht bestellt habe. Das ist keine ideologische Pose, das ist schlicht Arbeitsruhe.

Die zweite: Reparierbarkeit und Aufrüstbarkeit. Ein Gerät, bei dem ich RAM und SSD selbst tauschen kann, ohne einen Heißluftföhn und einen Doktortitel in Mikrolöten. Ein Gerät, das ich in fünf Jahren noch aufrüsten statt wegwerfen kann.

Die dritte: ein gutes, mattes Display. 14 Zoll, hohe Auflösung, entspiegelt. Ich starre häufig auf den Bildschirm; Spiegelungen sind kein Detail, sondern Kopfschmerzen.

Und die vierte, unausgesprochene: Ich wollte das Geld einer Firma geben, deren Geschäft Linux-Hardware ist – nicht einem Konzern, für den Linux eine geduldete Randnotiz ist.

Warum Tuxedo – und nicht Framework oder Apple

Es gab am Ende drei ernsthafte Kandidaten, und die Entscheidung war knapper, als man denkt.

Framework war lange mein Favorit. Die modulare Reparierbarkeit ist konkurrenzlos, die Firma steht für genau die Werte, die mir wichtig sind, und der Pop!_OS-Support ist dort am nativsten. Zwei Dinge haben mich abgehalten: Es gibt kein echtes 14-Zoll-Modell (nur 13,5” im 3:2-Format – schön, aber anders), und vor allem sind die Framework-eigenen RAM- und SSD-Preise 2026 absurd geworden. In der aktuellen Speicherknappheit zahlt man dort für 32 GB und 1 TB Aufpreise, die einem die Tränen in die Augen treiben. Selbst bestückt (DIY, eigene Riegel) landet man ungefähr gleichauf mit Tuxedo – aber dann hat man den Bastelweg und kein 14”.

Apple – ja, wirklich. Für lokale KI (dazu gleich in einem eigenen Artikel mehr) ist ein MacBook Pro mit M5 Max schlicht die technisch überlegene Maschine: mobil, riesiger Unified Memory, gewaltige Speicherbandbreite. Aber der Preis liegt jenseits von 6.000 €, es ist macOS und kein Linux, und – ehrlich – es widerspricht jeder einzelnen meiner Bedingungen bis auf „mattes Display”. Es war das Kontrast-Angebot, das die Frage schärft: Wie viel ist mir Souveränität wert?

Geworden ist es das Tuxedo InfinityBook Pro 14 Gen10. Nicht weil es auf jeder Achse gewinnt – tat es nicht –, sondern weil es die Summe meiner Bedingungen am rundesten erfüllt:

  • Linux ab Werk, mit TUXEDO OS gewartet und getestet, inklusive eigener Treiber für Tastaturbeleuchtung und Lüftersteuerung.
  • Ein echtes 14”-16:10-Panel, 3K, 120 Hz, matt, 500 Nits.
  • 2× SO-DIMM und 2× M.2 – RAM später bis 128 GB, zweite SSD jederzeit nachrüstbar.
  • Ein 80-Wh-Akku, dazu ein Hersteller mit bekannt gutem Support und zuverlässiger Treiberentwicklung.

Framework wäre reparierbarer gewesen. Aber das Tuxedo war der Kandidat ohne echten Schwachpunkt – und das 14”-Format, die Aufrüst-Reserve und der bekannt gute Support mit zuverlässiger Treiberentwicklung haben den Ausschlag gegeben.

Die Konfiguration

Bestellt habe ich am 21. Juni 2026, bewusst keine KI-Monster-Ausstattung, sondern einen soliden, langlebigen Linux-Daily-Driver:

PositionSpezifikation
ModellTUXEDO InfinityBook Pro 14 Gen10 (AMD)
CPUAMD Ryzen AI 7 350 (Zen 5, 8 Kerne / 16 Threads, Radeon 860M, NPU)
RAM32 GB (2× 16 GB) DDR5-5600, Dual-Channel
SSD1 TB Crucial P310 (NVMe PCIe 4.0)
Display14” 3K 2880×1800, 120 Hz, matt, 500 Nits
OS ab WerkTUXEDO OS (Ubuntu-Basis, KDE Plasma)
Garantie2 Jahre

Der Sprung allein bei der CPU ist grotesk: Der Ryzen AI 7 350 bringt gegenüber meinem alten 3700U grob das Dreifache an Single-Thread- und das Vierfache an Multi-Thread-Leistung. Ich musste gar nicht zum Topmodell (dem HX 370) oder zu 128 GB greifen, um den alten Rechner meilenweit zu überholen. Die kleine „AI”-CPU reicht – und läuft dabei sparsamer und leiser.

Bewusst gespart habe ich mir das aggressive RAM-Upgrade. 32 GB im Dual-Channel sind für Office, Obsidian und Code auf Jahre dimensioniert. Und falls doch mal mehr nötig wird: zwei freie SO-DIMM-Slots warten. Das ist der ganze Punkt an einem aufrüstbaren Gerät – man kauft nicht auf Verdacht, sondern rüstet nach Bedarf nach.

Auspacken und erster Kontakt

Es beginnt bei der Verpackung, und das ist kein nebensächliches Detail. Das Gerät kam sehr gut verpackt an – sorgfältig, geschützt, ohne den Eindruck, dass hier jemand am Karton gespart hat. Ein kleiner erster Vertrauensbeweis, bevor man den Deckel überhaupt aufgeklappt hat.

Der zweite kommt beim Herausnehmen. Das Gehäuse wirkt wertig und ist zugleich angenehm leicht – dieser Widerspruch, den man von guten Ultrabooks kennt: Es fühlt sich stabil und ernst an, drückt aber nicht auf die Schulter, wenn man es in die Tasche steckt. Kein Knarzen, kein Nachgeben, wo man es nicht erwartet.

Dann klappt man auf, und das Display überrascht sofort: sehr hell und sehr scharf. Die 3K-Auflösung auf 14 Zoll ergibt eine Pixeldichte, bei der man die einzelnen Punkte nicht mehr sucht, und die 500 Nits liefern genug Reserve, dass die matte Oberfläche kein Helligkeitsopfer ist. Genau der Kompromiss, auf den ich gehofft hatte: entspiegelt und leuchtstark.

Die Tastatur hat einen super Druckpunkt – präzise, definiert, kein schwammiges Durchsacken. Dazu macht sie angenehme Tippgeräusche: satt und gedämpft, kein klappriges Scheppern, das beim Schreiben nach einer Weile nervt. Für ein Gerät, auf dem den ganzen Tag geschrieben wird, ist das der wichtigste Anfasspunkt überhaupt, und Tuxedo hat ihn getroffen. Das Trackpad ist angenehm groß und reagiert gut; nichts, worüber man nach fünf Minuten noch nachdenkt, was das größte Kompliment ist, das man einem Trackpad machen kann.

Und der Punkt, an dem viele schlanke Laptops scheitern: der Lüfter. Er springt nur selten an, und wenn, dann nicht mit diesem unangenehm hohen, fiependen Ton, den man von manchen dünnen Geräten kennt. Der kleine Ryzen-AI-Chip statt eines heißlaufenden Topmodells zahlt sich hier hörbar aus – im Alltag ist es ein leises Gerät.

Aufgeklapptes Tuxedo InfinityBook Pro 14 auf einem Holztisch auf dem Balkon, auf dem Display der offene Obsidian-Vault, daneben ein Setzling im Topf Erster Tag auf dem Balkon: der offene Vault auf dem neuen InfinityBook.

TUXEDO OS – und der Umzug auf GNOME

Ab Werk läuft auf dem Gerät TUXEDO OS, eine Ubuntu-24.04-Basis mit KDE Plasma und den hauseigenen Treibern. Das ist eine solide Wahl, und man könnte einfach dabei bleiben. Ich nicht – ich bin seit Jahren GNOME-Mensch. Der Plan ist deshalb, GNOME parallel zu installieren und als Standard-Session einzurichten, KDE aber unangetastet liegen zu lassen. Das ist der risikoärmste Weg: Verschlüsselung und Tuxedo-Treiber bleiben unberührt, und ich kann jederzeit zurück.

Die komplette Schritt-für-Schritt-Einrichtung – von GNOME über Brave, die Proton-Apps, Nextcloud-Sync bis zu Obsidian – habe ich mir vorab zusammengestellt und verifiziert. Das ist ein eigenes Kapitel für sich; die Kurzfassung: TUXEDO OS bringt kein Snap mit (bewusst, Flatpak-Fokus), die Tuxedo-Treiber laufen desktopunabhängig weiter, und das Tuxedo Control Center funktioniert auch unter GNOME.

Und der Plan ist aufgegangen. Während ich diesen Absatz schreibe, läuft auf dem Gerät TUXEDO OS 24.04.4 LTS mit GNOME Shell 46 auf Wayland – KDE Plasma (6.5) liegt weiter unangetastet daneben, genau wie beabsichtigt: zwei Desktops parallel, GNOME als Standard, kein Anfassen der Verschlüsselung oder der Tuxedo-Treiber. Bemerkenswert ist der Kernel 6.17 – deutlich frischer als das, was man bei einer Ubuntu-24.04-Basis erwarten würde. Genau das braucht die brandneue Zen-5-Hardware (Krackan/Ryzen AI 7 350), damit iGPU, Sensoren und Energieverwaltung von Anfang an sauber laufen. Dass ein Boutique-Hersteller wie Tuxedo einen so aktuellen Kernel auf eine LTS-Basis hebt, ist der eigentliche Mehrwert gegenüber „Ubuntu selbst installieren”.

Der Ruhezustand funktioniert einwandfrei – Zuklappen, Aufklappen, sofort weiterarbeiten, ohne Hänger oder Aussetzer. Genau der klassische Linux-Laptop-Prüfstein, an dem selbst installierte Systeme gern scheitern; hier war er von Anfang an unauffällig.

Was man von einem Linux-Hersteller bekommt

Hier liegt der eigentliche Unterschied zu „ich installiere mir Ubuntu selbst” – und er wird in den meisten Reviews gar nicht erst sichtbar, weil er unter der Oberfläche steckt. Ich habe nachgesehen, was Tuxedo dem System ab Werk mitgibt, und die Liste ist aufschlussreich.

Da ist zunächst das Tuxedo Control Center, eine grafische Schaltzentrale für genau die Dinge, die einen Laptop im Alltag angenehm machen: Lüfter-Profile (das erklärt, warum der Lüfter so selten und so leise anspringt), Leistungsprofile von „leise” bis „Performance” als direkter Akku-gegen-Tempo-Hebel, eine einstellbare Ladeschwelle, mit der man den 80-Wh-Akku bei etwa 80 % deckelt und so seine Lebensdauer über Jahre streckt, und natürlich die Tastaturbeleuchtung. Ein laufender Hintergrunddienst, sauber integriert, funktioniert auch unter GNOME.

Interessanter noch ist, was man nicht sieht. Auf dem Gerät liegen ein board-spezifisches Anpassungspaket, das exakt auf mein Mainboard passt, und eine ganze Reihe kleiner Fix-Pakete mit sprechenden Namen: eines, das ein bekanntes Display-Flackern der AMD-Grafik abstellt (PSR/Replay), eines, das die WLAN-Regulierungszone korrekt setzt, eines für ein Virtualisierungs-Problem beim Laden. Das sind genau die Hardware-Macken einer brandneuen Zen-5-Plattform, die man auf einem selbst installierten Ubuntu erst nach frustrierendem Suchen in Foren findet – wenn überhaupt. Hier sind sie ab Werk erledigt.

Das ist die konkrete Substanz hinter dem Wort „Boutique-Hersteller”: nicht ein hübscheres Logo im Bootscreen, sondern ein frischer Kernel plus ein Sack voller kleiner, undramatischer Korrekturen, die zusammengenommen den Unterschied zwischen „läuft” und „läuft, und ich muss nie darüber nachdenken” ausmachen.

Der Alltag

Der erste Test war der, auf den es ankam. Erinnerung an den Anfang: Der alte Rechner war nicht kaputt, er war langsam geworden – und am spürbarsten wurde das ausgerechnet bei Obsidian, dem Werkzeug, in dem ich den größten Teil meines Tages verbringe. Genau da zeigt der Tuxedo sofort, wofür ich ihn gekauft habe: Obsidian indexiert den Vault merklich schneller. Kein Warten mehr auf den Aufbau, kein Moment, in dem die Suche erst nachdenken muss. Der Sprung von einem sieben Jahre alten 15-Watt-Prozessor auf acht frische Zen-5-Kerne ist genau dort am deutlichsten, wo ich ihn jeden Tag brauche. Das allein rechtfertigt die Entscheidung schon nach den ersten Erfahrungen.

Die Akkulaufzeit ist der eine Punkt, an dem der Tuxedo nicht glänzt. Neun Stunden im realen Arbeitsalltag schafft er auf jeden Fall, eher etwas mehr – das reicht mir für einen Tag locker aus. Herausragend im Vergleich zu anderen modernen Laptops ist das aber nicht; die aktuell besten Geräte halten deutlich länger durch. Woran es genau liegt – die Plattform, das helle 3K-Panel oder das Tuning – kann ich noch nicht sagen. Für meinen Nutzungsstil ist das kein Problem, aber ehrlich muss man es benennen.

Unterm Strich hat sich die Anschaffung gelohnt. Die aktuellen Preise sind zum Heulen – Speicher und Hardware kosten 2026 mehr, als sie sollten –, aber im Vergleich steht der Tuxedo derzeit mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis da.

Fazit

Würde ich wieder so entscheiden? Ja, ohne Zögern. Das Tuxedo ist kein Gerät, das auf einem einzelnen Datenblatt-Wert glänzt und die Fachpresse zu Superlativen treibt – es ist ein Gerät, das im Alltag keine Fehler macht. Genau das war der Punkt.

Für wen lohnt sich diese Wahl? Für alle, die auf Linux arbeiten und ein wartungsarmes, aufrüstbares 14-Zoll-Gerät wollen, ohne selbst zum Treiber-Bastler zu werden. Wer maximale Reparierbarkeit über alles stellt und den Bastelweg mag, ist bei Framework besser aufgehoben. Und wer kompromisslos lange Akkulaufzeit und die stärkste Maschine für lokale KI sucht – und bereit ist, dafür Geld und Betriebssystem-Prinzipien aufzugeben –, landet am Ende doch beim Mac. Für mich war keiner dieser beiden Wege der richtige.

Und der rote Faden zurück zum Anfang: Fühlt sich die Arbeit wieder leicht an? Ja. Der Cursor wartet nicht mehr, Obsidian denkt nicht mehr nach, der Lüfter schweigt. Das Gerät tritt in den Hintergrund und lässt mich arbeiten – mehr habe ich nie verlangt. Ob es in drei Jahren dieselbe Frage stellt, entscheidet sich nicht am Prozessor, sondern an den freien Speicher-Slots. Und die sind da.


Dieser Artikel ist der erste von zweien. Hier geht es um den Laptop als Arbeitsgerät und die Entscheidung dahinter. Der zweite Teil – Lokale KI auf dem Tuxedo (folgt in Kürze) – nimmt sich die eigentlich spannende Frage vor: Wie weit trägt so eine Maschine, wenn man Sprachmodelle vollständig offline und souverän auf ihr laufen lässt?

Ich schreibe diesen Bericht als Normalnutzer, nicht als Entwickler – was funktioniert, was nicht, und warum die Entscheidung für ein Linux-Gerät von einem kleinen Hersteller mehr ist als Nostalgie.