KI, Weltmarkt und Weltmacht – wer gewinnt das Rennen?

Peter Schadt forscht an der FAU Nürnberg-Erlangen zur politischen Ökonomie der Digitalisierung. Im PÖDcast von 99 ZU EINS erklärt er, was hinter dem KI-Hype steckt – und was nicht.

KI, Weltmarkt & Weltmacht – PÖDcast Folge 15, Oktober 2025, ~50 Min.


Das Paradox der KI-Ökonomie

Die Zahlen sind schwindelerregend: Microsoft, Amazon und Google investieren 2025 zusammen über 300 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur. Nvidia wurde in drei Jahren zum wertvollsten Börsenunternehmen der Welt. Und trotzdem: ChatGPT ist nicht profitabel, 95 Prozent der Unternehmen erzielen laut MIT-Studie keine Rendite durch KI.

Was läuft hier? Schadt nennt es eine Spekulation auf zukünftige Gewinne – kein Betrug, aber auch noch keine eingelöste Verheißung. Der eigentliche Gewinner ist bisher Nvidia: Nvidia-Gewinne fließen in OpenAI, OpenAI kauft Rechenzentren, Rechenzentren kaufen Nvidia-Chips. Ein geschlossener Kreislauf.

USA: Dominanz als Staatsprogramm

Trumps KI-Strategie ist offen: „fraglose und unbestrittene globale technologische Dominanz”. KI ist keine Wirtschaftspolitik mehr – sie ist Sicherheitspolitik.

Schadts These: Der US-geführte Freihandels-Weltmarkt seit 1945 hat zwei Rivalen großgezogen – Europa und China. Europa beschreibt er als „imperialistischen Muldenschleicher”: jahrzehntelang vom US-garantierten Weltmarkt profitiert, ohne eigene Gewaltkapazitäten aufzubauen. Das endet jetzt. Keine allgemeinen Regeln mehr, sondern bilaterale Deals. Keine Deregulierung, sondern selektive Marktsteuerung.

China: Multipolarität als Eigeninteresse

Chinas Gegenantwort ist der Global AI Governance Action Plan. Das Land fordert freien Chiphandel, globale Energiestandards für KI und multilaterale Regeln. Die Pointe: Chinas KI (DeepSeek) verbraucht ~20 Prozent der Energie von ChatGPT – Effizienz ist Chinas Stärke, also kämpft es für globale Effizienzstandards.

Die historische Ironie: Die Kommunistische Partei Chinas ist zum Verfechter des freien Welthandels geworden – weil es ihr nützt.


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Die drei Artikel von Peter Schadt im nd (ohne Paywall):