Teil 3 der Serie über meinen Schreib- und Publikations-Workflow. Ein kurzer Umweg bevor es ans Schreiben geht – denn ein zweites Gehirn nützt nichts, wenn es abbrennt.
Obsidian bietet einen eigenen Sync-Dienst an. Er kostet 10 Euro im Monat, synchronisiert den Vault zwischen Geräten und macht Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das ist bequem.
Aber er legt deine Notizen auf Servern ab, die dir nicht gehören. Für jemanden, der Obsidian genau deshalb benutzt weil die Daten lokal liegen und ihm gehören, ist das ein Widerspruch.
Ich synchronisiere meinen Vault deshalb über Nextcloud – selbst gehostet, auf meinem eigenen NAS.
Nextcloud: Die eigene Cloud
Nextcloud ist eine Open-Source-Plattform für Dateisynchronisation, Kalender, Kontakte und mehr. Die Idee: du betreibst deine eigene Cloud, auf deiner eigenen Hardware, mit deinen eigenen Regeln.
Ich nutze Nextcloud AIO – “All in One”, eine Docker-basierte Installation, die alle Komponenten automatisch einrichtet und aktuell hält. Das läuft auf meinem UGREEN NAS (einem kleinen, lautlosen Heimserver), 24 Stunden am Tag, mit minimalem Stromverbrauch.
Einmal eingerichtet verhält es sich wie jede andere Cloud: Auf dem Laptop läuft ein Sync-Client, der den Vault-Ordner mit Nextcloud abgleicht. Auf dem Smartphone ebenfalls. Änderungen sind innerhalb von Sekunden überall sichtbar – ohne dass ein Byte das Heimnetz verlässt.
Der Preis: einmalig die Hardware, laufend ein paar Watt Strom. Kein Monatsabo, keine Datenweitergabe.
BorgBackup: Wenn Sync nicht reicht
Synchronisation ist kein Backup.
Das ist ein Satz, den man sich merken sollte. Wenn ich versehentlich 200 Notizen lösche und der Sync-Client das brav auf alle Geräte überträgt, habe ich nichts. Wenn eine Datei korrumpiert wird, synchronisiert Nextcloud die kaputte Version auf alle Geräte.
Für echte Datensicherheit braucht es etwas anderes: BorgBackup.
Borg ist ein Backup-Werkzeug, das für drei Dinge bekannt ist:
- Deduplizierung – nur veränderte Datenblöcke werden gesichert, kein Speicherverschwendung
- Verschlüsselung – das Backup-Archiv ist standardmäßig verschlüsselt
- Versionierung – ich kann den Vault-Zustand von gestern, letzter Woche oder letztem Monat wiederherstellen
Nextcloud AIO bringt BorgBackup direkt mit. Jeden Morgen um 4 Uhr läuft automatisch ein Backup – leise, im Hintergrund, ohne dass ich etwas tun muss. Das Passwort liegt sicher in meinem Passwortmanager (Proton Pass).
Das Ergebnis: Drei Kopien, keine Ausreden
Am Ende ergibt sich eine simple Struktur:
- Primärdaten auf dem Laptop (der Vault, mit dem ich arbeite)
- Sync über Nextcloud auf NAS und Smartphone (Aktualität auf allen Geräten)
- Backup via BorgBackup (Versionshistorie, Schutz vor Datenverlust)
Warum der Umweg sich lohnt
Diese Infrastruktur klingt nach viel Aufwand. In der Praxis läuft sie seit Monaten ohne Eingriff. Der initiale Aufwand war zwei Nachmittage – danach läuft alles automatisch.
Was ich dafür bekomme: meine Daten liegen auf Hardware, die ich kontrolliere. Kein Dienst kann sie sperren, löschen oder auswerten. Kein Abo kann ablaufen und mich aus meinem eigenen Wissen aussperren.
Das zweite Gehirn ist nur so gut wie seine Infrastruktur.
In Teil 4 geht es endlich ans Schreiben: Wie aus einer rohen Notiz in der Inbox ein fertiger Artikel wird – und wann eine Notiz “bereit” ist, veröffentlicht zu werden.