
Teil 5 der Serie. Teil 4 hat erklärt, wie ein Artikel im Vault entsteht. Hier kommt er ins Netz.
Die naheliegende Frage, wenn man einen Blog starten will: WordPress?
Meine Antwort: Nein. Nicht mehr.
WordPress ist mächtig, weit verbreitet, und ein ständiges Sicherheitsproblem. Es braucht eine Datenbank, einen Server, regelmäßige Updates, Plugins, die miteinander in Konflikt geraten. Für einen Blog, der vor allem Text veröffentlicht, ist das zu viel Infrastruktur.
Ich wollte etwas Einfacheres: Markdown rein, fertige Website raus.
Quartz: Obsidian denkt weiter
Quartz ist ein statischer Site-Generator, der für Obsidian-Vaults gebaut wurde. Er versteht Wiki-Links, Frontmatter, Tags, Backlinks – alle Konzepte, die ich aus Obsidian kenne. Ich muss meine Notizen nicht umformatieren oder anpassen. Eine Markdown-Datei mit dem richtigen Frontmatter ist gleichzeitig eine Vault-Notiz und ein Blogartikel.
Das ist der entscheidende Punkt: Es gibt keine zwei Systeme, die synchronisiert werden müssten. Es gibt einen Ordner mit Markdown-Dateien – und Quartz macht daraus eine Website.
Der Inhalt liegt in ~/quartz/content/. Unterordner werden zu URL-Pfaden:
content/obsidian/teil-1-das-zweite-gehirn.md
→ blog.jochen-tetzlaff.online/obsidian/teil-1-das-zweite-gehirn
Keine Datenbank. Keine Admin-Oberfläche. Kein Login.
Was Quartz mitbringt
Out of the box bekommt man mit Quartz:
- Volltextsuche über alle Artikel
- Backlinks – welche anderen Artikel verweisen auf diesen?
- Graph-Ansicht – das Netz der verlinkten Artikel als interaktive Visualisierung
- RSS-Feed unter
/index.xml - Sitemap unter
/sitemap.xml - Dark/Light-Mode
- Responsive Design
Vieles davon ist konfigurierbar, manches habe ich angepasst – etwa die Startseite, die die letzten Artikel mit Teasern zeigt, oder die Komponenten in der Seitenleiste.
Cloudflare Pages: Hosting ohne Server
Eine statische Website braucht keinen eigenen Server. Cloudflare Pages hostet statische Dateien kostenlos – mit globalem CDN, automatischem SSL und eigener Domain.
Das Deployment läuft über die Wrangler CLI, das Kommandozeilenwerkzeug von Cloudflare:
npx quartz build
npx wrangler pages deploy public --project-name=blogDer erste Befehl baut die Website aus den Markdown-Dateien. Der zweite lädt sie zu Cloudflare hoch. Beides zusammen dauert unter einer Minute.
Die eigene Domain – blog.jochen-tetzlaff.online – habe ich über einen CNAME-Eintrag beim DNS-Anbieter verbunden. SSL wird von Cloudflare automatisch ausgestellt und erneuert.
Was das kostet
- Quartz: kostenlos, Open Source
- Cloudflare Pages: kostenlos (bis zu 500 Deployments im Monat, unbegrenzter Traffic)
- Domain: was auch immer die eigene Domain kostet
Kein Hosting-Abo, kein WordPress-Premium, kein Obsidian-Publish (8 Euro im Monat). Die einzige laufende Ausgabe ist die Domain.
Der Workflow in der Praxis
- Artikel in Obsidian schreiben, Frontmatter setzen
- Datei nach
~/quartz/content/[thema]/kopieren - Lokal prüfen:
npx quartz build --serve→localhost:8080 - Wenn alles passt: deployen
Schritt 4 ist ein einzelner Befehl. Was danach passiert – der Bluesky-Post, die Suchmaschinen-Benachrichtigung – läuft automatisch.
Das war Teil 5 und Abschluss der Serie „Von der Notiz ins Netz”. Teil 1 – Warum Obsidian | Teil 2 – Vault-Struktur | Teil 3 – Sync & Backup | Teil 4 – Schreibprozess