Dies ist der fünfte und letzte Teil einer Serie über Taiwan. Teil 1 hat gezeigt, dass die han-chinesische Bevölkerung der Insel das Ergebnis von Kolonialgeschichte ist und nicht ihre Voraussetzung; Teil 2, dass die Demokratie gegen die Kuomintang entstand und nicht durch sie; Teil 3, dass das Wirtschaftswunder auf einer Arbeitsform beruhte, die in keiner Statistik erscheint; Teil 4, dass taiwanisches Kapital den Aufstieg der Volksrepublik mitbaute und die Arbeit, die es zu Hause behielt, Menschen überlässt, die nicht dazugehören dürfen. Dieser Teil stellt die Frage, die übrig bleibt: warum eine funktionierende Demokratie für all das keinen politischen Träger hat.
Am 15. Mai 2026, auf dem Rückflug von Peking, erzählte Donald Trump den mitreisenden Journalisten, worüber er mit Xi Jinping gesprochen hatte. „So President Xi and I talked a lot about Taiwan”, sagte er. Er habe Xi angehört und sich nicht festgelegt: „I made no commitment either way.” Über die Waffen, die Taiwan bestellt hatte, werde er bald entscheiden; vorher müsse er noch mit jemandem sprechen — „the person that right now, as you know, you know who he is, that’s running Taiwan.”
Den Namen des taiwanischen Präsidenten nannte er nicht.
Am 24. September 2026 saßen dieselben beiden Männer im Oval Office, diesmal war Xi Jinping der Gast; Trump hatte ihn am Vortag persönlich an der Gangway abgeholt. Was sie vereinbarten, handelt von Waren. Die Zollwaffenruhe gilt bis zum 10. Januar 2027, für Güter im Wert von je 30 Milliarden Dollar sollen die Zölle sinken, China importiert 2027 und 2028 je mindestens zehn Millionen Tonnen amerikanische Kohle, und es gibt einen Dialog über „super intelligence” — auf diesen Begriff statt „artificial intelligence” einigten sich die beiden eigens. Der Zoo von Atlanta bekommt zwei Pandas. Im Faktenblatt des Weißen Hauses, das all das aufzählt, kommt Taiwan nicht vor. Im chinesischen Gesprächsprotokoll steht die Insel in einem kurzen Absatz: Xi hoffe, die USA hielten an der „richtigen Position” fest, die Unabhängigkeit Taiwans abzulehnen. Über Taiwan, sagte Trump zwei Tage später, habe man nicht viel Zeit verbracht; Xi „understands very much how I feel”. Wer nicht mit am Tisch saß, stand ohnehin fest.
Diese Serie hat im Teeregal begonnen, bei einer Packung Formosa Oolong: ein portugiesischer Name, ein schottischer Händler, Teemeister aus Fujian und Bauern, deren Vorfahren eine niederländische Handelsgesellschaft auf die Insel geholt hatte. Drei Kolonialmächte im Etikett, und keine Stelle darauf, an der die Insel selbst vorkam. Teil 1 hat daraus eine Frage gemacht, wem die Insel gehört, und am Ende eine Antwort angedeutet: Sie müsse politisch beantwortet werden, von denen, die dort leben.
Wer diesen Tee heute pflückt, lässt sich belegen, wenn auch nicht beziffern. Den Oriental Beauty aus Hsinchu und Miaoli, den die taiwanische Teeforschung als Nachfahren der alten Exportware führt, ernten Hakka-Frauen von im Schnitt über siebzig Jahren. In den Pflückkolonnen der Hochlagen von Alishan arbeiten, so eine Reportage des Onlinemagazins The Reporter, vor allem Frauen, die aus Vietnam eingeheiratet haben, und vietnamesische Wanderarbeiter im Nebenverdienst. Und in taiwanischen Gerichtsakten steht als Beruf von Menschen ohne gültigen Aufenthalt „採茶工”, Teepflückerin.
Der Satz aus Teil 1 war leichter geschrieben, als er einzulösen ist. Dieser letzte Teil fragt deshalb nicht, was Washington und Peking mit Taiwan vorhaben. Er fragt, warum die, die dort leben, die Frage nach ihrem eigenen Leben — nach Lohn, Miete, Arbeitszeit, Aufenthaltsrecht — politisch so schlecht stellen können. Die Antwort, so viel vorweg, ist keine Stimmung. „Kein einfacher Ausweg” ist ein Befund über die Lage.
Ein Rätsel, keine Klage
Der Befund muss als Rätsel formuliert werden, nicht als Klage, sonst ist er beantwortet, bevor er verstanden ist.
Auf der einen Seite steht eine Demokratie, die funktioniert, und zwar nicht nur an Wahltagen. Seit 2019 gilt die Ehe für alle, als erstes Land Asiens. Seit 2024 regiert ein Präsident der Demokratischen Fortschrittspartei gegen ein Parlament, in dem Kuomintang und Taiwanische Volkspartei die Mehrheit haben, und der Konflikt wird mit den Mitteln der Verfassung ausgetragen, bis an deren Grenze. Das Parlament erweiterte im Mai 2024 seine Befugnisse gegenüber der Regierung, das Verfassungsgericht kassierte im Oktober große Teile davon, das Parlament änderte daraufhin das Gesetz über das Verfassungsgericht und lehnte zweimal alle neuen Richterkandidaten ab. Seit November 2024 sind von fünfzehn Richterstellen acht besetzt, und von diesen acht entscheiden fünf, weil drei die Mitwirkung verweigern. Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Lai Ching-te scheiterte am 19. Mai 2026 mit 56 zu 50 Stimmen; nötig gewesen wären 76. Der Haushalt für 2026 wurde am 14. August 2026 verabschiedet, so spät wie nie zuvor. Das ist keine reibungslose Demokratie. Aber es ist eine, in der Macht verteilt ist und um sie gestritten wird.
Auf der anderen Seite stehen Zahlen, die frühere Teile dieser Serie belegt haben. Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Bruttoinlandsprodukt lag 2024 bei 43,1 Prozent, dem niedrigsten je gemessenen Wert. Rechnet man die Berufsgewerkschaften heraus, die überwiegend Versicherungsschalter sind, bleiben 7,9 Prozent der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. 903.674 Menschen aus Indonesien, Vietnam, den Philippinen und Thailand arbeiten auf der Insel, und für sie ist die Regel, die sonst nach fünf Jahren den Weg zum Daueraufenthalt öffnet, ausdrücklich außer Kraft gesetzt. Und in den Hotels und Restaurants, in denen Wanderarbeitende nach Angaben des Sozialwissenschaftlers Ralf Ruckus vom Februar 2025 nicht beschäftigt werden durften, arbeiten nach seiner Beobachtung junge Taiwanerinnen und Taiwaner zum Mindestlohn, „im Prinzip denselben Lohn wie die Gastarbeiterinnen”, wohnen weit draußen vor Taipeh und pendeln zwei Stunden in die Stadt.
Wer das nebeneinanderlegt, hat die Frage dieses Textes: Warum hat die soziale Frage in einer funktionierenden Demokratie keinen politischen Träger?
Die Frage enthält eine Negativbehauptung, und Negativbehauptungen sind die gefährlichste Sorte, weil sie nicht auffallen. Deshalb die Gegenprobe gleich vorweg. Unzufriedenheit hat in Taiwan durchaus Adressen. Bei der Präsidentschaftswahl im Januar 2024 holte Ko Wen-je von der Taiwanischen Volkspartei 26,46 Prozent. Er warb gegen beide großen Parteien, „棄藍綠,保台灣”, weg mit Blau und Grün, und mit der sozialen Frage: Die Jungen würden zu „屋奴”, zu Sklaven ihrer Wohnung, die Reallöhne seien nur um vier Prozent gestiegen. In der letzten Umfrage des Senders TVBS vor der Wahl lag er bei den wahlwilligen 20- bis 29-Jährigen mit 52 Prozent vorn, bei den über Sechzigjährigen kam er auf drei. Nach einer Nachwahlbefragung führte er unter Angestellten und Studierenden; unter Arbeitern lag Lai Ching-te vorn. Die Unzufriedenheit der Jungen hat also eine Adresse gefunden: eine Partei, die im Parlament mit der Kuomintang stimmt und deren Gründer im März 2026 in erster Instanz zu siebzehn Jahren Haft verurteilt wurde, unter anderem wegen Bestechlichkeit; das Urteil ist nicht rechtskräftig. Was es nicht gibt, ist eine Kraft, die diese Unzufriedenheit als Klassenfrage stellt. Genauer lautet die Frage also: Warum wird die soziale Frage in Taiwan von allen Seiten bewirtschaftet und von keiner gestellt?
Die Achse, die eine andere verdeckt
Die taiwanische Linke ist klein, und sie ist an einer Frage gespalten, die mit Klassen zunächst nichts zu tun hat: Vereinigung mit der Volksrepublik oder Selbstbestimmung der Insel. Wie diese Spaltung verläuft, wird oft falsch erzählt. Ruckus kennt sie aus der Nähe; er hat nach eigener Angabe mehr als zwei Jahre in Taiwan zur Lage indonesischer Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter geforscht und dabei mit Linken verschiedener Strömungen diskutiert. In einem Vortrag vom Februar 2025 beschreibt er die Linke, die offen für eine Annäherung an Peking eintritt, als „relativ wenig Leute, auch wenn sie zum Teil in der Lage sind, viel Lärm zu machen”; schon im Dezember 2024 hatte er sie „die Minderheit” genannt, die „tatsächlich immer kleiner geworden” sei. Die größte Fraktion stehe auf der Seite der Unabhängigkeit und vertrete — „das sind meine Worte, nicht deren Worte” — eine Form linken Nationalismus: Sie argumentiere mit Selbstbestimmung gegen eine Vereinigung, während die Kritik am Kapitalismus in Taiwan „kaum auftaucht”. Bestimmend für die Selbstverortung, sagt er, sei die Frage Vereinigung oder Unabhängigkeit.
Die Zahlen passen zu diesem Bild. Die älteste Partei der vereinigungsfreundlichen Linken, die 1989 gegründete Labor Party 勞動黨, kam bei der Parlamentswahl 2020 auf 0,14 Prozent der Listenstimmen; 2024 hatte sie nur noch zwei Wahlkreiskandidaten und keine Liste. Die Langzeitreihe des Election Study Center der National Chengchi University, die seit 1992 fragt, als was sich die Menschen auf der Insel verstehen, stand im Juni 2026 bei 63,1 Prozent „Taiwaner”, 30,7 Prozent „beides” und 2,5 Prozent „Chinesen”; 1992 hatten sich noch 25,5 Prozent allein als Chinesen verstanden. Wer eine Vereinigung anstrebt, sofort oder später, war 1994 jeder Fünfte, heute sind es 7,6 Prozent. Unter den 18- bis 34-Jährigen sehen sich nach einer Erhebung des Pew Research Center von 2023 gerade einmal 1 Prozent vorrangig als Chinesen. Eine junge Linke, die für die Vereinigung eintritt, ist in dieser Gesellschaft ein Randphänomen, und zwar strukturell.
Das Dilemma des größeren Lagers ist strukturell, nicht moralisch. Die faktische Selbständigkeit der Insel hängt daran, dass die amerikanische Abschreckung glaubwürdig bleibt. Wer die Vereinigten Staaten als imperiale Macht kritisiert, schwächt öffentlich genau den Schutz, von dem die eigene Position lebt. Diese Linke, sagt Ruckus, „laviert”, weil sie „letztendlich auch eine Kritik am US-Imperialismus hat zum Teil, aber den halt nicht öffentlich deutlich äußert oder äußern will”. Er vergleicht das mit der kurdischen Linken, die im Kampf gegen den Islamischen Staat auf amerikanische Waffen angewiesen war. Mit den Richtungsstreitigkeiten europäischer Linker hat das wenig gemein. In Taiwan entscheidet die Antwort auf die Vereinigungsfrage womöglich über Krieg oder Frieden, und der Druck, sich zu entscheiden, ist entsprechend.
Wer sich dem entziehen will, hat es schwer. Kräfte, die weder dem chinesischen Nationalismus der Kuomintang noch der Kommunistischen Partei noch dem linken Nationalismus folgen und das zum Teil als Antikriegsposition formulieren, seien „relativ klein”, sagt Ruckus: „akademische Gruppen”, „subkulturelle Gruppen”, und es sei „sehr schwer für die, sich dieser Spaltung … zu entziehen”. Sie würden lächerlich gemacht, es heiße dann: „ihr seid ja nur versteckte Grüne oder Blaue” — Grün für die Demokratische Fortschrittspartei, Blau für die Kuomintang. Manche hielten sich aus Angst zurück, und wer eine Stelle beim Staat oder an der Universität habe, müsse mit Folgen rechnen. Was fehle, hatte Ruckus schon im Dezember 2024 gesagt, sei eine Position, die die proletarischen und feministischen Kämpfe in Taiwan aufnimmt, daraus ein linkes Projekt macht und sich zugleich gegen eine Übernahme der Insel durch die Kommunistische Partei wie gegen ihre Vereinnahmung durch den sogenannten Westen stellt: „Also diese Position gibt es im Prinzip so nicht.”
Teil 4 hat den Mechanismus an einem Beispiel gezeigt. Als 2014 während der Parlamentsbesetzung eine Gruppe das Dienstleistungsabkommen mit China ablehnte, weil es ein Freihandelsabkommen war — mit den Gewerkschaften geschlossener Fabriken und der Organisation der Wanderarbeitenden —, wurde sie dafür als „pro-Vereinigungs-Linke” etikettiert. Eine Klassenposition wurde in eine geopolitische zurückübersetzt, und damit war sie erledigt. Die eine Achse verdeckt die andere.
Dazu kommt ein Hindernis, das älter ist als die Spaltung. „Links” ist in Taiwan kein neutrales Wort. Brian Hioe, Mitgründer des linken Onlinemagazins New Bloom, fasst es so zusammen: Die Kuomintang habe während der Diktatur Linke unter dem Banner des Antikommunismus verfolgt, und „China’s claim to be a leftist polity also casts a shadow over the political left in Taiwan”. Als 2023 eine Gruppe von Hochschullehrern eine Antikriegserklärung vorlegte, nannte ein Politikwissenschaftler die Unterzeichner „naive Linke”, 天真的左派; im Netz heißt der Typ 左膠, ein Schimpfwort, das um 2010 in Hongkong aufkam. Offene Selbstbezeichnungen gibt es, in kleinen Milieus. Im Mainstream ist „links” ein Wort mit China-Beigeschmack.
Die Gewerkschaften tragen dasselbe Erbe. Liu Mei-chun 劉梅君, Arbeitssoziologin an der National Chengchi University in Taipeh und die einzige taiwanische Stimme, die diese Serie im Interview gehört hat, sagt über die Zeit nach dem Ende des Kriegsrechts 1987, es seien zwar Gewerkschaften gegründet worden, „but still, the mentality is still under martial law”. Wer streike, gelte bis heute als „unreasonable”, „dangerous”, „greedy”, und die Älteren, die den Weißen Terror erlebt haben, rieten ihren Kindern ab, sich an kollektivem Handeln im Betrieb zu beteiligen, weil sie es mit Politik gleichsetzen.
Der Sieg, der die Bewegung kostete
Die geopolitische Achse ist das, was von außen zuerst sichtbar wird. Sie ist nicht das, was zuerst geschah. Teil 3 hat gezeigt, dass die taiwanische Arbeiterbewegung in drei Schichten brach: Die gewerkschaftliche Form wurde zum Versicherungsschalter umgewidmet, die Belegschaften verschwanden in den Neunzigern mit den Fabriken in die Volksrepublik, und wer die Bewegungen anführte, wurde in Ämter und Parteien geholt. Auf die dritte Schicht kommt es hier an, weil sie mit Peking nichts zu tun hat.
Im März 2000 gewann mit Chen Shui-bian erstmals ein Kandidat der Demokratischen Fortschrittspartei die Präsidentschaft. Die Partei war aus der Bewegung gegen die Diktatur der Kuomintang hervorgegangen, die sozialen Bewegungen hatten sie getragen, und nun holte sie deren Führung in die Regierung. Liu beschreibt den Moment so:
„When the DPP gained power, during the presidential election, they won. And then they tried to co-opt a lot of what we call the forces of the social movements. And a lot of the leaders of the social movements are invited to sit on the important positions. So at the time, the whole atmosphere just collapsed.”
Wer gemeint ist, lässt sich aufzählen. Der Soziologe Ho Ming-sho von der National Taiwan University hat die Besetzung der ersten Amtszeit Chens zusammengestellt: Die Umweltbehörde leitete der Anti-Atom-Aktivist Lin Jun-yi, stellvertretender Leiter der Arbeitsbehörde wurde der Arbeitsanwalt Kuo Chi-jen, den Rat für indigene Völker führte der Pfarrer Yohani Isqaqavut aus der indigenen Bewegung, die Jugendkommission die Feministin Lin Fang-mei. Unterhalb der Leitungsebene fanden viele jüngere Aktivistinnen und Aktivisten Stellen als Referenten; die Opposition spottete über ein Land, das von „a bunch of boy scouts” regiert werde. Eine Frauenrechtlerin fasste das Ergebnis 2003 in einem Satz zusammen, den Ho zitiert: „In the past we did not have the opportunity; now we do not have the capacity.”
Am deutlichsten zeigt es der Gewerkschaftsbund TCTU, die erste unabhängige nationale Dachorganisation der Insel. Gegründet am 1. Mai 2000, erhielt er seine Zulassung erst im September, nachdem seine Führung, so Ho, „had to resort to their DPP patrons”, um die zögernde Arbeitsbehörde unter Druck zu setzen. 2003 kamen 48 Prozent seiner Einnahmen vom Staat, die Mitgliederzahl war von rund 280.000 auf 243.000 gefallen, und er galt als „DPP subsidiary”. Hos Bilanz: „The very success of the strategy of political alignment had resulted in diminution of the organizational base.” Ein Jahrzehnt nach dem Regierungswechsel hielt er fest, viele Bewegungsorganisationen hätten nach Jahren der Arbeit in der Regierung „the capacity to mobilize their mass constituencies” verloren. Das ist Lius „collapsed”, nüchtern gemessen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, weil sie die These genauer machen. Der Aderlass begann nicht im Jahr 2000. Schon 1993 klagten Aktivisten über den „chronic brain drain” ihrer Köpfe in die Partei, und 1996 schaffte die DPP ihre Abteilung für soziale Bewegungen ab; Lius Datum ist der Höhepunkt, nicht der Anfang. Und die Kooptation war keine Spezialität der DPP. Der Gründer des jährlichen Arbeitermarschs Autumn Struggle leitete von 1998 bis 2003 die Arbeitsbehörde des Kuomintang-Bürgermeisters Ma Ying-jeou in Taipeh. Ho selbst nennt die Kooptation einen Faktor unter mehreren.
Das Muster, sagt Liu, habe sich wiederholt. Auch die Jüngeren seien in die sozialen Bewegungen gegangen; aber sobald einzelne von ihnen hervorträten, würden sie von der DPP auf wichtige Posten geholt, „and so you can hardly expect them to keep … they just lose their vitality or they lose their power to challenge the authority”.
Die Sonnenblumen-Bewegung von 2014 ist dafür das deutlichste Beispiel, und zugleich eines, das die einfache Fassung der These stört. Aus ihr ging 2015 die New Power Party hervor. Sie zog 2016 mit fünf Abgeordneten ins Parlament ein, drei davon aus Wahlkreisen, in denen die DPP auf eigene Kandidaten verzichtet hatte; 2020 hatte sie drei Sitze, 2024 mit 2,57 Prozent der Listenstimmen keinen mehr. Lin Fei-fan, der bekannteste Wortführer der Besetzung, wurde 2019 stellvertretender Generalsekretär der DPP und sitzt heute als Vizegeneralsekretär im Nationalen Sicherheitsrat. Die Soziologin Fan Yun, 2015 Mitgründerin der Sozialdemokratischen Partei, trat 2019 der DPP bei, weil ein sicherer Listenplatz das Parteibuch voraussetzte; im Parlament, erklärte der Generalsekretär der DPP dazu, gebe es künftig nur noch „親中派和保台派”, Chinafreunde und Taiwanverteidiger. Freddy Lim, ebenfalls Mitgründer der NPP, trat 2019 aus, 2023 der DPP bei und vertritt Taiwan seit 2025 in Finnland.
Der bekannteste Mitgründer aber ging den anderen Weg. Der Rechtswissenschaftler Huang Kuo-chang, jahrelang Vorsitzender der NPP, trat im November 2023 aus und am selben Tag der Taiwanischen Volkspartei bei, die er seit Februar 2025 führt — jener Partei, die im Parlament mit der Kuomintang stimmt. Als im Dezember 2025 fünf Verfassungsrichter das Gerichtsgesetz dieser Mehrheit für verfassungswidrig erklärten, nannte Huang sie „台灣民主憲政史上的罪人”, Schuldige vor der Geschichte der taiwanischen Verfassungsdemokratie, und drohte für den Fall, dass Präsident Lai bei seinem Kurs bleibe, mit einer Losung der Parlamentsbesetzung von 2014: „當獨裁成為事實,革命就是義務”, wenn Diktatur zur Tatsache wird, wird Revolution zur Pflicht. Das Symbol der Bewegung ist mit ihrem Kopf gewandert, nur nicht dorthin, wo die Bewegung es vermutet hätte.
Der Befund lautet deshalb nicht, dass alle in der DPP landen. Er lautet, dass die Bewegung keine eigene Form hatte, die ihre Köpfe halten konnte. Sie verteilten sich auf die Parteien, die Posten zu vergeben hatten, auf die eine wie auf die andere, und keine dieser Parteien stellt die Klassenfrage.
Das heißt nicht, dass die DPP keine Sozialpolitik gemacht hätte, und eine Serie, die das verschwiege, wäre unredlich. Seit 2016 ist der Mindestlohn jedes Jahr gestiegen, von 20.008 auf 29.500 Taiwan-Dollar im Monat, um 47 Prozent; an diesem 24. September beschloss die zuständige Kommission 30.900 ab 2027. Seit 2024 regelt ein Mindestlohngesetz das Verfahren, und die Mittel für die Langzeitpflege stiegen nach Regierungsangaben zwischen 2016 und 2024 von 4,95 auf 87,6 Milliarden. Unter Chen Shui-bian dagegen blieb der Mindestlohn bis 2007 eingefroren. Dieselbe Partei strich, wie Teil 3 gezeigt hat, 2016 sieben Feiertage und lockerte 2018 die eigene Arbeitszeitreform, und von den 120.000 Sozialwohnungen, die sie 2016 angekündigt hatte, sind nach neun Jahren rund 40.000 fertig. Die Kooptation erklärt also nicht, dass der Staat nichts getan hätte. Sie erklärt, dass er es von oben tat: über Kommissionen, in denen die Gewerkschaften mitreden, statt über Kämpfe, die sie führen. Genau diese Form, schreibt Ho, habe die Arbeiterbewegung „in the arena of technically defined ‚labor policy’” festgesetzt.
Daraus folgt der wichtigste Satz dieses Abschnitts: Die Schwäche ist zuerst institutionell, nicht geopolitisch. Kooptation braucht keine Invasionsdrohung. Bewegungsparteien, die an die Macht kamen, haben ihre eigene Basis auch anderswo aufgezehrt, ohne dass ein Nachbar mit Raketen drohte. Wer die Schwäche der taiwanischen Linken zuerst mit China erklärt, übersieht, dass sie auch ohne China eine Geschichte hätte.
Ein Hebel, der keine Großmacht braucht
Aus Teil 3 folgt ein Befund, der in keiner Großmachtanalyse auftaucht, weil er ohne Großmacht auskommt. Taiwans Gewerkschaften sind statistisch stark und politisch schwach, und der Grund steht im Gesetz. Wer selbständig ist oder ohne festen Arbeitgeber arbeitet, kommt an die staatliche Arbeitsversicherung nur über eine Berufsgewerkschaft heran; deshalb sitzen 78 Prozent aller Mitglieder in solchen Gewerkschaften, und die meisten davon führen Beitragslisten, statt zu verhandeln. Pro Betrieb ist nur eine Firmengewerkschaft zulässig, und streiken darf nur eine Gewerkschaft, die eine eigenständige juristische Person ist. Teil 3 hat daraus den Schluss gezogen: Der Hebel sind nicht mehr Mitglieder. Es sind zwei Paragrafen.
Liu nennt, gefragt, warum sich in der Halbleiterindustrie niemand organisiere, einen dritten Punkt, der ebenfalls ohne Großmacht zu ändern wäre. Arbeitsrecht komme im taiwanischen Bildungssystem nicht vor, weder in der Schule noch an der Universität. Die Beschäftigten, sagt sie, „have no idea at all”.
Alle diese Hebel liegen im Legislativ-Yuan in Taipeh. Sie brauchen weder Washington noch Peking. Sie brauchen eine Mehrheit, die sie will, und damit ist man wieder bei der Frage dieses Textes.
Tiefes Wasser
Erst jetzt, nach den Institutionen, kommt die Geopolitik, und sie lässt sich am besten von der Materie her erzählen statt von den Werten.
Die amerikanische Regierung hat das selbst getan. In ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie vom Dezember 2025 begründet sie, warum Taiwan so viel Aufmerksamkeit bekommt: „partly because of Taiwan’s dominance of semiconductor production, but mostly because Taiwan provides direct access to the Second Island Chain and splits Northeast and Southeast Asia into two distinct theaters.” Teils wegen der Chips also, vor allem aber wegen der Lage. In dem Satz, der Taiwans Gewicht begründet, kommt die Demokratie nicht vor.
Was „Lage” heißt, ist eine Frage der Meerestiefe. Die Taiwanstraße ist ein Schelfmeer, größtenteils rund sechzig Meter tief, und flach ist auch das Meer vor dem Rest der chinesischen Küste; das Gelbe Meer misst im Mittel 44 Meter. Tiefes Wasser erreicht China im Südchinesischen Meer, wo bei Longpo auf Hainan die Raketen-U-Boote liegen, mit „easy access to the expanse and deep waters” dieses Meeres. Nur ist das Südchinesische Meer ein fast geschlossenes Randmeer. Seine einzige tiefe Verbindung zum Pazifik ist die Luzonstraße zwischen Taiwan und den Philippinen; nach Norden führen die Wege zwischen japanischen Inseln hindurch, von denen Japans Verteidigungsministerium sieben als Routen chinesischer Kriegsschiffe verzeichnet. Alle diese Durchgänge führen an Inseln von Verbündeten Washingtons vorbei und stehen, wie der Nuklearexperte Tong Zhao schreibt, „under close surveillance by U.S. or U.S.-friendly ASW forces”. Vor Taiwans Ostküste dagegen stürzt der Meeresboden ab. Das Wasser sei dort schon nicht weit vor dem Ufer tausend Meter tief und etwa dreißig Kilometer vor der Küste viertausend, schreibt das staatliche Meeresmuseum der Insel. Von hier, folgern die Politikwissenschaftler Brendan Rittenhouse Green und Caitlin Talmadge, könnten chinesische U-Boote „slip from their Taiwanese pens directly into the Philippine Sea”, ohne eine überwachte Engstelle zu passieren. Wie viel das militärisch änderte, ist umstritten; ein Gegenaufsatz verweist auf die „small, undeveloped ports” der Ostküste. Die Geografie ist es nicht.
In Washington wusste man das früh. Im Juni 1950, kurz vor dem Koreakrieg, nannte General Douglas MacArthur die Insel in der Hand eines Gegners „an unsinkable aircraft carrier and submarine tender”; gemeint war damals die Reichweite sowjetischer Küsten-U-Boote, nicht die Wassertiefe, aber gemeint war die Lage. Und dass Peking sie heute ernst nimmt, zeigt eine Meldung aus diesem Sommer. Vom 10. bis 31. August 2026 ließ die Volksrepublik nach eigener Ankündigung den Meeresboden östlich von Taiwan vermessen, in Gewässern, die sie als ihre eigenen bezeichnet. Peking nennt zivile Zwecke. Taiwans Küstenwache stufte Messdaten eines chinesischen Forschungsschiffs vor Hualien schon im Mai als Daten für die U-Boot-Jagd ein.
Die Zusage, die es nie gab
Seit 1979 unterhalten die Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan, liefern aber Waffen, und ob sie die Insel im Ernstfall verteidigen würden, lassen sie offen. Diese „strategische Ambiguität” wird in Taiwan wie im Westen gern als Schutz beschrieben. Sie war nie einer. Sie war ein Verfahren, mit dem Washington das eigene Risiko begrenzte: Peking sollte mit einem Eingreifen rechnen, Taipeh sollte sich nicht darauf verlassen.
2026 lässt sich besichtigen, was das heißt. Auf dem Papier ist die Formel leiser geworden, nicht schärfer. Im Februar 2025 strich das amerikanische Außenministerium aus seinem Faktenblatt zu Taiwan den Satz „we do not support Taiwan independence”; die Sicherheitsstrategie vom Dezember nennt als Linie nur noch, die USA unterstützten keine einseitige Änderung des Status quo. Vor dem Gipfel im Mai war erwartet worden, Peking werde eine schärfere Formel verlangen: dass Washington die Unabhängigkeit nicht bloß nicht unterstützt, sondern ausdrücklich ablehnt. Es bekam sie nicht. Im Fact Sheet des Weißen Hauses zum Gipfel kommt Taiwan nicht vor, eine gemeinsame Erklärung gab es nicht, und Außenminister Wang Yi sprach hinterher nur von einem Eindruck: Die USA billigten und akzeptierten es nicht, dass Taiwan auf die Unabhängigkeit zusteuere. Das chinesische Wort für „ablehnen” vermied er. Noch am Vorabend des Washingtoner Besuchs nannte ein Pekinger Experte die „clear opposition to Taiwan independence” einen unerfüllten Wunsch: „we’re realistic”.
Verschoben hat sich etwas anderes, der Ton. „No, nothing has changed”, sagte Trump in einem Fox-News-Interview, das er am letzten Tag seines Besuchs in Peking gab, und im selben Atemzug: „I’m not looking to have somebody go independent, and you know, we are supposed to travel 9,500 miles to fight a war. I’m not looking for that.” Das Waffenpaket, das der Kongress bereits gebilligt hatte — nach Reuters rund vierzehn Milliarden Dollar, vor allem Flugabwehrraketen; Trump selbst sprach von zwölf —, halte er zurück: „I’m holding that in abeyance, and it depends on China. … it’s a very good negotiating chip for us, frankly.” Ob die USA Taiwan verteidigen würden, ließ er offen, auch gegenüber Xi, der ihn danach gefragt habe: „I said, I don’t talk about that.”
Die Ambiguität blieb. Sie bekam nur einen Preis.
Taiwan antwortete, wie ein Schützling antworten muss. Das Außenministerium erklärte am selben Tag, die Republik China (Taiwan) sei ein souveräner und unabhängiger demokratischer Staat, und dankte Trump im selben Schreiben für seine Unterstützung. Präsident Lai schrieb zwei Tage später, die Republik China sei ein souveräner Staat, es gebe deshalb keine sogenannte Unabhängigkeitsfrage, und: „Taiwan will never be sacrificed or traded away.”
Zwei Wochen später sprach Pete Hegseth, Trumps Minister für das inzwischen in Kriegsministerium umbenannte Pentagon, auf dem Shangri-La-Dialog in Singapur, der wichtigsten Sicherheitskonferenz Asiens. Ein Jahr zuvor hatte er dort gewarnt, die Bedrohung durch China sei „real. And it could be imminent”. 2026 kam Taiwan in seiner Rede nicht vor; POLITICO nannte das „a rare omission for a Defense secretary”. Stattdessen kündigte er an: „we are changing the playbook. The era of performative outrage is over where Washington issues loud diplomatic protests that signal virtue but do not project capabilities.” Auf eine Frage nach dem zurückgehaltenen Waffenpaket versicherte er, am Status ändere sich nichts.
Der Satz über die „performative outrage” verdient einen zweiten Blick, weil er eine alte Kritik aufnimmt. Am späten Abend des 2. August 2022 landete Nancy Pelosi, damals Sprecherin des Repräsentantenhauses, in Taipeh. Zwei Wochen zuvor hatte Präsident Biden auf eine Reporterfrage geantwortet: „the military thinks it’s not a good idea right now, but I don’t know what the status of it is”. Am 4. August begannen Manöver mit scharfem Schuss in sechs Sperrgebieten rund um die Insel. Taiwans Verteidigungsministerium zählte am ersten Tag elf ballistische Raketen, Japan neun, von denen fünf in Japans ausschließliche Wirtschaftszone fielen und vier nach japanischer Einschätzung Taiwans Hauptinsel überflogen; Taipeh bestätigte das nicht und sprach von einer Flugbahn „außerhalb der Atmosphäre”. Seither hat die Volksrepublik die Blockade der Insel mehrmals geprobt.
Auch linke Beobachter warfen Pelosi vor, eine Geste inszeniert zu haben, die zu Hause gut aussah und deren Folgen Taiwan trug. Ruckus war damals in Taiwan. Mitbekommen habe er von den Manövern, außer über die Nachrichten, nur eines: Die indonesischen Fischer, mit denen er arbeitete, „konnten zum Teil nicht auslaufen, weil in ihren Fischgründen diese Manöver stattfanden”. Die ersten, die eine geprobte Blockade traf, waren Menschen, die über die Insel nichts zu entscheiden haben. Ruckus hält es für „offensichtlich”, „dass der Besuch letztendlich von Pelosi ausging und die Regierung … den natürlich dann zugelassen hat”, und meint, an der Provokation habe in Taiwan kaum jemand Interesse gehabt. Die Umfragen widersprechen ihm. Nach einer Erhebung der Taiwan Public Opinion Foundation von Anfang August 2022 begrüßten rund 53 Prozent der Befragten den Besuch und 24 Prozent nicht; und selbst im Wissen um die Manöver hätten ihn 52,9 Prozent nicht abgelehnt, 33,6 Prozent schon. Ob Pelosi auf eigene Rechnung handelte oder als Teil einer gestuften Eskalation, darüber sind sich die Quellen dieser Serie nicht einig. Die Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik beschrieb im September 2022, sechs Wochen nach dem Besuch, eine amerikanische Strategie, die China gezielt reize, „by sort of pretending to be acknowledging the independence of Taiwan”, ohne einen militärischen Konflikt zu diesem Zeitpunkt zu wollen; den Besuch selbst nannte sie dabei nicht. Der Streit ist weniger eine Faktenfrage als eine der Methode. Wer nur Staaten als Akteure kennt, muss den Besuch als Instrument lesen. Wer ernst nimmt, dass Kongress, Weißes Haus und Pentagon verschiedene Interessen verfolgen, kann den Alleingang sehen.
Vier Jahre später ist die Kritik an der Symbolpolitik amerikanische Regierungsdoktrin. An die Stelle der Geste ist allerdings kein Schutz getreten, sondern ein Waffenpaket als Verhandlungsmasse. Beide Pole, die Geste von 2022 und der Handel von 2026, wurden in Washington beschlossen, und beide trafen dieselbe Insel.
Zur Entspannung dieses Jahres gehört eine Zahl. Im ersten Halbjahr 2026 meldete das taiwanische Verteidigungsministerium in seinen Tagesberichten zusammen 1.334 Einsätze chinesischer Militärflugzeuge um die Insel, nach der Zählung der South China Morning Post weniger als die Hälfte des Vorjahreszeitraums; das letzte große Manöver mit Namen, „Justice Mission-2025”, lag Ende Dezember 2025. Warum der sichtbare Druck nachließ, ist offen; genannt werden die Säuberungen in der chinesischen Militärführung und die Annäherung an Washington. Sicher ist nur, dass Taiwan auch diese Entspannung nicht ausgehandelt hat. Die Zuspitzung von 2022 hatte es nicht bestellt, die Ruhe von 2026 kann es nicht kündigen.
Die deutlichste Festlegung seit Trumps Amtsantritt kam denn auch nicht aus Washington, sondern aus Tokio. Im November 2025 sagte Japans Premierministerin Sanae Takaichi im Parlament, ein chinesisches Vorgehen gegen Taiwan mit Kriegsschiffen und Waffengewalt könne, wie man es auch drehe, eine Lage werden, die Japans Existenz bedrohe — nach den japanischen Sicherheitsgesetzen von 2015 die Voraussetzung dafür, dass die eigenen Streitkräfte an der Seite eines Verbündeten eingreifen dürfen. Und die Aufrüstung, die Washington von Taipeh verlangt, stockt im taiwanischen Parlament selbst: Im Mai 2026 bewilligte der von der Opposition kontrollierte Legislativ-Yuan für ein Sonderprogramm statt der beantragten 1,25 Billionen Taiwan-Dollar 780 Milliarden und strich die heimische Abwehrrakete, die das Rückgrat des geplanten Raketenschilds T-Dome bilden sollte. Zugleich warten bereits bestellte amerikanische Waffen im Wert von 29,72 Milliarden Dollar auf ihre Lieferung.
Der Staatsbesuch in Washington im September hat an der Formel wieder nichts geändert. Neu ist nur, dass Pekings Forderung diesmal als Xis eigener Satz im Gesprächsprotokoll steht. Die amerikanische Seite hat ihn nirgends übernommen; ihr Botschafter in Peking, David Perdue, wiederholte die alte Formel: „We don’t support independence”. Das zurückgehaltene Waffenpaket ist auch nach dem Besuch weder genehmigt noch abgesagt. Stattdessen erzählte Perdue im Fernsehen, Trump und Xi sprächen weiterhin über künftige Waffenverkäufe an Taiwan, und Trump habe Xi sogar gefragt, „would he like to buy some” — ob China nicht selbst amerikanische Waffen kaufen wolle. Das amerikanische Außenministerium stellte klar, das Gesetz verbiete Waffenverkäufe an China. Trump selbst antwortete auf die Frage nach Perdues Darstellung mit einer Gegenfrage, „To China? You mean to Taiwan?”, und fügte an, China würde amerikanische Waffen wohl gern kaufen: „So maybe it’s a good idea. But we didn’t discuss it. He may have been talking about Taiwan. I think he was probably talking about Taiwan.” 1982 hatte Washington Taipeh schriftlich zugesichert, es habe „not agreed to consult with the PRC on arms sales to Taiwan”.
Was Taiwan in diesem Jahr zu verlieren scheint, hat es nie besessen. Die Ambiguität war keine Zusage an Taiwan. Sie war die Zusage Washingtons an sich selbst, sich nicht festzulegen, und 2026 hat sie einen Preis bekommen.
Das Bild kippt
Bis hierher ließe sich der Text als Geschichte eines Opfers lesen: eine Insel zwischen zwei Mächten, deren Schutzmacht sie als Verhandlungsmasse behandelt und deren Nachbar ihr mit Krieg droht, und eine Linke, die zwischen beiden keinen Platz findet. An dieser Stelle muss das Bild kippen. Es kippt durch das, was die Teile 3 und 4 gezeigt haben.
Dieselbe Insel, über deren Selbstbestimmung verhandelt wird, beschäftigt 903.674 Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, deren Aufenthalt nach zwölf Jahren endet, in der häuslichen Pflege mit Qualifikationsnachweis nach vierzehn. Dasselbe Kapital, dessen Chips als Grund gelten, die Insel zu verteidigen, beschäftigte in der Volksrepublik nach der einzigen systematischen Schätzung Ende 2008 14,43 Millionen Menschen — mehr, als Taiwan Erwerbspersonen hatte. In keinem der großen Halbleiterkonzerne besteht eine Betriebsgewerkschaft, und als 2014 beim Chiphersteller Vanguard eine gegründet wurde, ließ das Management die Mitglieder am nächsten Tag Reuebekenntnisse unterschreiben. Ruckus nennt das Migrationsregime in seinem gedruckten Aufsatz „a major column of Taiwan’s capitalism today” und fügt hinzu: „Thus far, the left has largely ignored this history of racialized capitalism.” Eine breite linke Debatte über Rassismus, sagt Ruckus, gebe es in Taiwan nicht. Die Gewerkschaften haben das Thema nicht ignoriert, sondern bekämpft. Bis in die 2010er Jahre, erzählt Ruckus, habe es auf Demonstrationen geheißen, die Migranten müssten ganz hinten laufen, weil sie „uns Jobs geklaut” hätten. Liu bestätigt das: „their focus is not on migrant workers even sometimes they are hostile”. Und die einheimischen Beschäftigten, so Ruckus, profitieren: Sie bekommen die leichteren Arbeiten und die besseren Posten, und bei den Jahresendboni, die in Taiwan eine große Rolle spielen, „kriegen die Einheimischen deutlich mehr und die Migranten wenig beziehungsweise zum Teil auch gar nichts”.
Das ist die Station, an der jede Parteinahme für eine der beiden Großmächte unmöglich wird. Der Konflikt lässt sich nicht mehr als Opfer gegen Angreifer erzählen, weil das Objekt der Solidarität selbst Teil der Kette ist. Wer sich an die Seite Washingtons stellt, verteidigt auch das Migrationsregime und die gewerkschaftsfreie Fabrik. Wer sich an die Seite Pekings stellt, verteidigt eine Macht, die mit Krieg droht, und die taiwanischen Konzerne, die in ihr produzieren lassen. Ohne diese Station kippt ein Text über Taiwan in die eine oder die andere Richtung. Mit ihr kann er nicht mehr kippen.
Was zuerst kam
Ordnet man die Erklärungen für die Schwäche der taiwanischen Linken, die in dieser Serie vorgekommen sind, ergibt sich eine Reihenfolge.
- Die Basis wurde geteilt. In den Neunzigern ging die Fertigung mit dem Kapital in die Volksrepublik und nach Südostasien, und die Arbeit, die sich nicht verlagern ließ, übernehmen seit 1992 Menschen ohne Bürgerrecht. Wer nicht wählen darf und nach zwölf Jahren gehen muss, ist keine Wählerbasis.
- Die Form wurde umgewidmet. Die Berufsgewerkschaft wurde zum Versicherungsschalter, die Firmengewerkschaft blieb im Haus des Arbeitgebers, das Streikrecht an eine Rechtsform gebunden, die sich kaum gründen lässt.
- Die Bewegungen verloren ihre Köpfe. Wer sie anführte, wechselte in Ämter, Beraterstäbe und Parteien: vereinzelt schon in den Neunzigern, in großer Zahl nach dem Regierungswechsel 2000 und noch einmal nach der Sonnenblumen-Bewegung von 2014.
- Die Achse sortiert alles. Jede neue Kraft wird gefragt, ob sie blau oder grün ist.
- Das Erbe wirkt nach. Streik gilt als Politik, Politik als gefährlich, und „links” klingt nach China.
- Die Doppelkritik hat keinen Adressaten. Der Sinologe Felix Wemheuer hält fest, es sei in den letzten Jahren „objektiv” schwieriger geworden, eine linke Position zu China zu formulieren, weil die Hauptkonfliktlinie nicht mehr zwischen Arbeit und Kapital verlaufe, sondern zwischen Zentrum und Peripherie. Den Grund für die Isolation linker Positionen nennt er ausdrücklich nur für Hongkong, wo eine lange antikommunistische Tradition jede linke Kritik am Pekinger Staat unter Verdacht stellt. Dass für Taiwan Ähnliches gilt, ist eine naheliegende Lesart, aber eine dieses Textes, nicht seine.
Die ersten drei sind datierbar, belegt und funktionieren ohne jede Großmacht. Die vierte und die fünfte erklären, warum das Vakuum, das sie hinterließen, nicht gefüllt wird. Die sechste erklärt, warum auch Solidarität von außen kaum hilft. Daraus folgt die Gewichtung, auf die dieser Text hinausläuft: Die Geopolitik erklärt, warum das Vakuum bleibt. Sie erklärt nicht, warum es entstand.
Den Gegenwartstest hat die taiwanische Gesellschaft selbst geliefert. 2025 versuchten Bürgerinitiativen, 31 Abgeordnete der Kuomintang per Volksabstimmung abzuberufen, in zwei Wellen am 26. Juli und am 23. August. Alle Verfahren scheiterten. Getragen wurde die Kampagne maßgeblich von der Economic Democracy Union, die schon den Protest gegen das Dienstleistungsabkommen von 2014 koordiniert hatte. Zu ihren erklärten Zielen gehörte, die „舔共立委” abzuwählen, die Abgeordneten, die Peking nach dem Mund reden, und das „System Fu–Huang” zu beenden: Fu Kun-chi, den Fraktionschef der Kuomintang, und Huang Kuo-chang, den Mitgründer der Sonnenblumen-Partei. Die organisierte Arbeiterschaft stand, soweit sie sichtbar wurde, auf der anderen Seite. Der Dachverband der Bildungsgewerkschaften trat auf einer Pressekonferenz der Kuomintang gegen den „bösartigen Rückruf” auf, und der alljährliche Arbeitermarsch Autumn Struggle beklagte im November „綠色恐怖氛圍”, eine Atmosphäre grünen Terrors, die mit dem Rückruf begonnen habe. Brian Hioe von New Bloom zog nach der ersten Niederlage eine Bilanz, die diesen Text in zwei Sätzen zusammenfasst: „If there had been a greater focus on attacking the KMT’s failure on domestic political issues, such as low wages and housing, this could have perhaps been more persuasive to such voters.” Und: „the past decade had seen a decline in civil society organizing, with the DPP in power.”
Wo sich in Taiwan außerhalb der Parteien etwas bewegt, bewegt es sich entlang der China-Achse, nicht entlang der Klassenfrage.
Was dieser Text nicht weiß
Drei Grenzen gehören in den Text, nicht in eine Fußnote.
Die erste betrifft die Stimmen. Die taiwanische Linke spricht in dieser Serie überwiegend durch Beobachter: einen deutschen Sozialwissenschaftler, der mehr als zwei Jahre vor Ort geforscht hat, einen deutschen Sinologen, der 2023 und 2024 als Gastwissenschaftler in Taipeh war, und eine taiwanische Arbeitssoziologin in einem englischsprachigen Podcastinterview. Für diesen Teil kommen taiwanische Texte dazu: die Aufsätze des Soziologen Ho Ming-sho, Brian Hioes Analysen bei New Bloom, Joyce C. H. Liu, die Erklärungen der Antikriegsinitiative und die Meldungen der Nachrichtenagentur CNA. Die Gegenwartsschicht zur Geopolitik stützt sich auf Regierungsdokumente aus Washington, Peking, Tokio und Taipeh und auf westliche Medien.
Die zweite betrifft die Frage, ob in Taiwan eine Linke entsteht, die sich weder Washington noch Peking anschließt. Hier widersprachen sich die Quellen scheinbar, und der Widerspruch löst sich zum größeren Teil auf, wenn man genau hinsieht.
Wemheuer beschreibt eine konkrete Initiative. Am 20. März 2023 stellten vier Hochschullehrer, zwei davon im Ruhestand, eine Antikriegserklärung vor. Sie fordert Verhandlungen in der Ukraine, ein Ende des amerikanischen Militarismus, „gleichen Abstand” Taiwans zu den Großmächten und Sozial- und Klimaausgaben statt Rüstung. China wird darin in einem einzigen Satz kritisiert, der ausdrücklich nicht ausgeführt wird; keine der vier Forderungen richtet sich an Peking. Politiker der Regierungspartei nannten die Unterzeichner Komplizen des Aggressors, Kollegen naive Linke. Wemheuer beschreibt die Gruppe als „hauptsächlich Professorinnen und Professoren im höheren Alter” und als isoliert: Auf einer ihrer Pressekonferenzen 2024 seien außer ihm nur drei Journalisten anwesend gewesen, alle vom chinesischen Festland. Die Initiatoren sehen es selbst nicht anders; eineinhalb Jahre nach der Erklärung bilanzierte einer von ihnen, ihre Kraft sei „仍然十分微小”, noch immer sehr gering.
Das Alter der Gruppe ist allerdings nicht nur Befund, sondern auch Folge. Nach einem Leitartikel von Storm Media vom 23. März 2023 standen vor der vorzeitigen Veröffentlichung über fünfzig Namen auf der Liste, darunter mehr als zehn jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zurückzogen, als die Unterzeichner öffentlich angegriffen wurden; übrig blieben „37位較年長的學者”, siebenunddreißig ältere. Der Leitartikel nennt für diese Zahlen keine Quelle. Das Motiv ist umstritten; die Vorsitzende einer beteiligten Gesellschaft sprach von taktischen Erwägungen, nicht von Angst.
Ruckus hat nach seinem Leipziger Vortrag etwas anderes erzählt, und er nannte es selbst eine Anekdote. Er habe mit Aktivistinnen und Aktivisten gesprochen, deren Familien der Kuomintang nahestehen und die Demokratische Fortschrittspartei ablehnen, die Wanderarbeitende unterstützen oder in sozialistischen Initiativen arbeiten. Sie hätten ihm gesagt, sie seien früher eher für eine Annäherung an Peking gewesen, „but that has changed in the last 10 years” — weil sie über Kontakte zu Aktivisten auf dem Festland mitbekommen hätten, wie dort Linke verhaftet und eingeschüchtert wurden: „…now we are very critical of any reunification or China because what we do now, like supporting workers, migrants, we know if this becomes part of mainland China, we can’t do this anymore.”
Die beiden Beobachtungen widersprechen sich nicht. Beide Beobachter beschreiben die Kräfte jenseits von Blau und Grün als klein. Wemheuer meint eine Initiative mit Sprechern, deren Kritik sich fast nur gegen Washington richtet. Ruckus meint einen Haltungswandel Einzelner ohne feste Form. Belegbar sind daneben kleine Gruppen, die beide Großmächte ausdrücklich kritisieren, und eine jüngere Friedensszene, die selbst die alten Initiatoren als schwach und gespalten beschreiben. Die jungen Linken um New Bloom verstehen sich nicht als Nachwuchs der Antikriegsinitiative; sie gehören zu ihren schärfsten Kritikern, die ihr „naivete about China” und „profound US-centrism” vorwarfen. Und die Kulturwissenschaftlerin Joyce C. H. Liu 劉紀蕙, deren Name auf der Liste der Erstunterzeichner von 2023 steht, schrieb im Juni 2026, ein Teil der „older Taiwanese left” habe China mit sozialistischer Geschichte gleichgesetzt und übersehe, dass das „China”, dem es gegenüberstehe, „an authoritarian empire” sei.
Offen bleibt genau eine Frage: ob aus dem Haltungswandel Einzelner eine Organisation wird. Das ist die Stelle, an der dieser Text zugeben muss, dass er die Zukunft nicht kennt.
Die dritte Grenze betrifft die Generationen. Dass junge Linke aus vereinigungsfreundlichen Familien sich abwenden, beruht auf einer Anekdote; einen schriftlichen Beleg dafür hat die Recherche zu diesem Teil nicht gefunden. Die Umfragen legen eher etwas anderes nahe: Wenn unter den 18- bis 34-Jährigen 1 Prozent sich vorrangig als Chinesen versteht, wenden sich die Jungen nicht von der Vereinigung ab. Sie waren nie dafür.
Kein einfacher Ausweg
Ruckus hat den Leipziger Abend mit einem Satz beendet, der die Überschrift dieses Textes vorwegnimmt. Er glaube, „dass, was Taiwan angeht, jetzt aus einer linken Perspektive, es tatsächlich im Moment keine Lösung für die Widersprüche gibt”. Es gebe keine Klassenmacht von unten, die eine gesellschaftliche Umwälzung hinbekäme, und zugleich das zeitliche Problem einer möglichen kriegerischen Eskalation. In dieser Lage könne man „von linker Seite tatsächlich nur improvisieren”.
Das ist kein Rezept, und es wäre unredlich, am Ende einer Serie, die mit einem Teeregal begann, eines anzubieten. Keine der Quellen dieser Serie bietet eines an. Was sie anbieten, sind Kriterien, und sie kommen aus verschiedenen Richtungen.
Das erste stammt von Wemheuer. „Selbst wenn man sagt, Taiwan ist Teil Chinas, dann ist es eine Drohung mit einem Bürgerkrieg”, sagte er 2024, und die lehne er genauso ab wie eine Kriegsdrohung gegen einen anderen Staat. Der Satz ist kein Ausdruck von Resignation, sondern ein Maßstab, weil er beide Drohungen mit derselben Begründung zurückweist und die Frage, ob Taiwan ein Staat ist, dafür gar nicht erst entscheiden muss.
Das zweite stammt von Joyce C. H. Liu: „A genuinely left position must take the political subjectivity of the oppressed as its criterion of judgment, rather than beginning from a prior commitment to geopolitical camp alignment.” Wer so urteilt, fragt nicht zuerst, auf wessen Seite eine Position steht, sondern wen sie zum Subjekt macht.
Das dritte hat Teil 4 formuliert, und es ist das unbequemste. Wer für die Selbstbestimmung der Insel eintritt, muss erklären, warum sie für 903.674 Menschen, die dort arbeiten, nicht gilt. Wer die Volksrepublik gegen den Westen verteidigt, muss erklären, warum taiwanisches Kapital dort vierzehn Millionen Menschen beschäftigen konnte, ohne dass das ein Thema war.
Teil 1 endete mit dem Satz, die Frage, wem die Insel gehört, müsse von denen beantwortet werden, die dort leben. Nach fünf Teilen lässt sich genauer sagen, was an diesem Satz schwierig ist. Die, die dort leben, werden von den Großmächten nicht gefragt, im Mai in Peking nicht und im September in Washington nicht. Und ein Teil von ihnen wird auch auf der Insel selbst nicht gefragt: die, die dort arbeiten, ohne dazuzugehören, und die, deren Lohnfrage in einer lebendigen Demokratie keinen Träger findet. Einen einfachen Ausweg gibt es nicht. Die Frage, wer gefragt wird, ist trotzdem die richtige.
Das war der letzte Teil der Taiwan-Serie. Stand dieses Textes: 29. September 2026.
Quellen
Die Stammquellen der Serie, für diesen Teil am Transkript geprüft
- Ralf Ruckus: Taiwan von links (her verstehen) — Vortrag und Diskussion, Ost-Passage Theater Leipzig, 1. Februar 2025, YouTube. Zitiert nach Zeitmarken: die Lager der Linken (1:28:15), die Kräfte jenseits von Blau und Grün (1:29:34 und 1:31:22), das Schlusswort (1:34:08 und 1:34:56), die Dienstleistungsbeschäftigten (1:50:07), die Gewerkschaften und die Wanderarbeitenden (1:50:57), die Anekdote (2:00:46, englisch)
- Ralf Ruckus: What Everyone on the Left Should Know about Taiwan (at the Minimum), Spectre Journal, 17. Juni 2025 — das Migrationsregime als „major column”, die Angabe zum Forschungsaufenthalt in Fußnote 2
- Liu Mei-chun 劉梅君: „Taiwan’s Unions struggle to revive Labour Solidarity”, Interview, Neues China Podcast, 13. August 2024, englisch. Zitiert nach Zeitmarken: Kriegsrechtsmentalität (7:29), Kooptation (8:45–9:14), Jugendführer (10:03), Streik als Politik (10:53), Gewerkschaften und Wanderarbeitende (26:01), Halbleiterindustrie und Arbeitsrechtsbildung (30:03–31:18)
- Felix Wemheuer: Kontroverse Positionen zu China innerhalb der deutschen Linken seit 1991, Attac-Webinar vom 23. Februar 2026, YouTube — Hongkong (47:55), die Antikriegsinitiative (49:57–50:51), der Schluss (51:06)
- Felix Wemheuer: Die deutsche Linke und China: Eine Projektionsfläche?, Buchvorstellung, 15. Mai 2024, YouTube — das Bürgerkriegszitat (22:51)
- Ralf Ruckus: Das Dilemma der Taiwanischen Linken, Interview, Neues China Podcast, Dezember 2024, YouTube — Rassismusdebatte (22:47), Boni (26:22), „die Minderheit” (28:35), die lavierende Selbstbestimmungslinke (48:54–49:20), die fehlende Position (50:21–51:12), Pelosi (52:04–52:58)
- Susanne Weigelin-Schwiedrzik im Gespräch mit Felix Wemheuer: China and the War in Ukraine, 28. September 2022, YouTube, englisch — die amerikanische Strategie gegenüber Taiwan (18:52)
- ⚠️ Zur Methode: Die Zitate aus Vorträgen und Interviews sind maschinell transkribiert und an zwei unabhängigen Transkripten abgeglichen; die Zeitmarke führt zur Stelle im Video
Die Antikriegsinitiative und die taiwanische Linke
- Bericht der Nachrichtenagentur CNA über die Pressekonferenz vom 20. März 2023 und die zweisprachige Fassung der Erklärung, positions politics, 8. Juni 2023
- 風傳媒主筆室: 「風評:反戰學者被失聲,萬山不許一溪奔?」, Storm Media, 23. März 2023 — die über fünfzig Namen vor der Veröffentlichung und der Rückzug der Jüngeren, nach eigener Darstellung „據了解”, ohne genannte Quelle
- 傅大為: 「一路向前行」, Storm Media, 18. September 2024 — die Bilanz der Initiatoren
- Brian Hioe: Response to the Anti-War Statement, New Bloom, 24. März 2023; ders. im Porträt New Bloom: A rare leftist media voice in Taiwan, Global Voices, 16. Oktober 2023
- 陳方隅 u. a. zur Erklärung: Watchout, 21. März 2023
- Joyce C. H. Liu 劉紀蕙: Rethinking the Left: AOC, Taiwan, and the Crisis of Progressive Politics, im Forum What is a Left Position on Taiwan?, positions politics, Juni 2026
- Election Study Center, National Chengchi University: Langzeitreihen Identität und Vereinigung/Unabhängigkeit, Stand Juni 2026
- Pew Research Center: Most People in Taiwan See Themselves as Primarily Taiwanese, 16. Januar 2024
Der Tee
- Teeforschungsstation des Landwirtschaftsministeriums: 茶業專訊 102, Dezember 2017 — „Formosa Oolong Tea” als Exportname, der heutige Oriental Beauty als dessen Spitzenqualität
- Liberty Times, 8. Juni 2022 — die Pflückerinnen in Emei · The Reporter 報導者, Juli 2022 — die Kolonne in Alishan · Urteil des Bezirksgerichts Chiayi vom 6. Februar 2025
Kooptation, Sozialpolitik und die Rückrufkampagne
- Ho Ming-sho: Taiwan’s State and Social Movements under the DPP Government, 2000–2004, Journal of East Asian Studies 5/3 (2005), S. 401–425 — die Besetzungsliste (S. 408–409), die „boy scouts” (S. 409), der „chronic brain drain” seit 1993 (S. 407)
- Ho Ming-sho: Challenging State Corporatism. The Politics of Taiwan’s Labor Federation Movement, The China Journal 56 (2006), S. 107–127 — Zulassung des TCTU (S. 122), Mitglieder und Staatsanteil (S. 125), „DPP subsidiary” und Bilanz (S. 126–127)
- Ho Ming-sho: Understanding the Trajectory of Social Movements in Taiwan (1980–2010), Journal of Current Chinese Affairs 39/3 (2010), S. 3–22, frei zugänglich — der Verlust der Mobilisierungsfähigkeit (S. 16), die Abschaffung der Bewegungsabteilung der DPP 1996 (S. 11); ders.: Development and Society 44/2 (2015), S. 259 — die „technically defined ‚labor policy’”
- CNA zu den Wegen der Sonnenblumen-Köpfe: Huang Kuo-chang tritt der TPP bei, 16. November 2023 · Huang wird TPP-Vorsitzender, 15. Februar 2025 · Freddy Lim tritt der DPP bei, 27. November 2023 · Fan Yun und die Listenplatz-Regel, 16. November 2019 · Lin Fei-fan im Nationalen Sicherheitsrat, 19. September 2026. Wahlergebnisse der NPP nach den Daten der Zentralen Wahlkommission
- Arbeitsministerium: Geschichte des Mindestlohns; Mindestlohngesetz; CNA: Beschluss für 2027, 24. September 2026 · Langzeitpflege, 16. Mai 2024 · Sozialwohnungen, 13. Januar 2026
- Zur Rückrufkampagne 2025: CNA, 26. Juli 2025 · New Bloom, 23. August 2025 · Ziele der Economic Democracy Union · die Bildungsgewerkschaften bei der Kuomintang, CNA, 26. Februar 2025 · Autumn Struggle, CNA, 25. November 2025 · Brian Hioe: Recalls Indicate Failure to Flip Pan-Blue Territory, Not Public Opinion Siding with the KMT, New Bloom, 28. Juli 2025
Das geteilte Parlament
- Zentrale Wahlkommission: Präsidentschaftswahl 2024 · Listenwahl 2020 und 2024
- Zu Ko Wen-je: CNA zu Wohnen, Löhnen und „棄藍綠” im Wahlkampf · TVBS, letzte Umfrage vor der Wahl (Archivkopie) · Taiwan Public Opinion Foundation, Nachwahlbefragung Januar 2024 · Urteil erster Instanz, CNA, 26. März 2026
- Huang Kuo-chang zum Urteil vom 19. Dezember 2025: ETtoday · TaiSounds
- Verfassungsgericht: Urteil 113年憲判字第9號 vom 25. Oktober 2024, Zusammenfassung und Besetzung des Gerichts
- CNA: Scheitern des Amtsenthebungsverfahrens, 19. Mai 2026 · Haushalt 2026, 14. August 2026 · Urteil 114年憲判字第1號, 19. Dezember 2025
- Breaking Defense: Taiwan’s parliament passes pared-back supplementary defense budget, 11. Mai 2026
Washington, Peking und die Formel
- Trump an Bord der Air Force One, 15. Mai 2026: Transkript, Roll Call Factba.se
- Trump bei Bret Baier, Fox News, Special Report, 15. Mai 2026: Transkript, Roll Call Factba.se
- Chinesisches Außenministerium: Mitteilung zum Gespräch vom 14. Mai 2026 und Unterrichtung durch Wang Yi, 15. Mai 2026 — 不认同也不接受, nicht 反对
- Weißes Haus: Fact Sheet zum Gipfel, 17. Mai 2026 und National Security Strategy, Dezember 2025, S. 23–24
- Zur gestrichenen Zeile im Faktenblatt des State Department: CNA, 16. Februar 2025
- Taiwans Außenministerium: Erklärung vom 15. Mai 2026; Präsident Lai: Focus Taiwan, 17. Mai 2026
- Pete Hegseth beim Shangri-La-Dialog: Rede 2025 und Rede 2026; POLITICO, 29. Mai 2026. ⚠️ Die Seiten von war.gov sperren automatisierte Abrufe; im Browser sind sie erreichbar
- Taiwan Security Monitor: Taiwan Arms Sale Backlog, August 2026 Update, 3. September 2026
- Sanae Takaichi im Budgetausschuss des Unterhauses, 7. November 2025: Protokoll
- Zum Ergebnis des Staatsbesuchs: chinesisches Gesprächsprotokoll, 25. September 2026 · Faktenblatt des Weißen Hauses · Trump: Focus Taiwan, 27. September 2026 · Perdue: Focus Taiwan, 26. September 2026 und, mit den Reaktionen des Außenministeriums und Trumps, AP, 28. September 2026 · Stand des Waffenpakets: AP, 29. September 2026 · die Zusicherungen von 1982: freigegebenes Kabel, AIT
- Zum Besuch in Washington: CNBC, 24. September 2026 · NBC, 23. September 2026 · Xis Rede zur Begrüßung · chinesisches Verteidigungsministerium, 24. September 2026
- Zur Meerestiefe: Nationales Meeresforschungsinstitut, nach Liberty Times, 16. November 2021 · Staatliches Meeresmuseum Taiwan · Zheng/Fang/Song, JGR Oceans 2006 · Nature Communications 2023 zur Luzonstraße
- Zu Chinas U-Booten und den Engstellen: Tong Zhao, Tides of Change, Carnegie 2018, S. 36 · ORF zu den U-Boot-Stützpunkten, 2024 · Japanisches Verteidigungsministerium, Aktivitäten der chinesischen Marine
- Brendan Rittenhouse Green / Caitlin Talmadge: Then What? Assessing the Military Implications of Chinese Control of Taiwan, International Security 47/1 (2022), S. 19–21; dagegen Jonathan D. Caverley, Texas National Security Review 2025
- MacArthurs Memorandum vom 14. Juni 1950, FRUS 1950, Bd. VII, Dok. 86, Anlage
- Vermessungen östlich von Taiwan: CGTN, 3. September 2026 · Küstenwache Taiwan · Flugbewegungen: South China Morning Post, 24. Juli 2026
- Pelosi 2022: Taiwans Außenministerium zum Besuch · Biden, 20. Juli 2022 · chinesisches Verteidigungsministerium zu den Manövern · Taiwans Verteidigungsministerium zu den Raketen und zur Flugbahn · Japanisches Verteidigungsministerium, 4. August 2022 · Umfrage der Taiwan Public Opinion Foundation, August 2022
Aus den früheren Teilen übernommen, dort belegt
- Lohnquote 43,1 Prozent und Organisationsgrad 7,9 Prozent: Teil 3
- 903.674 Wanderarbeitende (Juli 2026), die Aufenthaltsgrenzen und die abbestellte Fünfjahresregel, 14,43 Millionen Beschäftigte 2008, die Reuebekenntnisse von 2014: Teil 4
Die Taiwan-Serie
- Wem gehört die Insel? Warum „Taiwan war schon immer chinesisch“ an der Chronologie scheitert
- Aus der Befreiung wird die Diktatur: Wie Taiwan 1945 die Herren wechselte
- Die Fabrik im Wohnzimmer: Wie Taiwans Wirtschaftswunder seine eigenen Arbeiterinnen verbrauchte
- Der Schatten hinter jeder Taiwanerin: Wie Taiwans Kapital China mitbaute
- Kein einfacher Ausweg: Warum Taiwans soziale Frage keinen Träger hat — dieser Teil
↩ Zum Anfang: Wem gehört die Insel? Warum „Taiwan war schon immer chinesisch“ an der Chronologie scheitert